Slowenien im Krisencheck

Immobilienkrise belastet Staat und Banken
Die Zypernkrise ist noch nicht verdaut, da sorgen sich Investoren schon um ein mögliches nächstes Sorgenkind – Slowenien. Das Land hat es verpasst, rechtzeitig seine Ausgaben zurückzufahren, als 2009 – wie in anderen europäischen Ländern – die Immobilienblase platzte. Gegenüber dem Höhepunkt der Häuserpreisblase sind die Immobilienpreise in Slowenien um 20% gefallen. Der Preisverfall hat bereits zu deutlichen makroökonomischen beziehungsweise finanziellen Verwerfungen geführt. Auf der monetären Seite spiegelt sich die Immobilienkrise in einem immer stärkeren Rückgang der Kreditvergabe und vor allem in der sehr hohen Rate der notleidenden Kredite, die inzwischen bei über 15% liegt, wider – bei den großen staatlich kontrollierten Banken sogar bei über 30%.

Anleger bleiben skeptisch
Die hohe Unsicherheit hinsichtlich des genauen finanziellen Umfangs anstehender Kapitalspritzen schlägt sich auch in der Entwicklung der Staatsanleiherenditen nieder. Zehnjährige slowenische Renditen notieren gegenwärtig bei 6,35%, 500 Basispunkte oberhalb zehnjähriger Bunds. Trotz des Risikozuschlages bleibt die Nachfrage nach slowenischen Papieren aber durchwachsen. Der Markt ist insbesondere verunsichert, wie hoch die Mehrkosten für den Bankensektor tatsächlich sein werden und preist bereits heute zusätzlichen Kapitalbedarf in die aktuellen Risikoprämien ein.

Slowenien will es aus eigener Kraft schaffen
Um die Investoren milde zu stimmen, hat Slowenien unterdessen angekündigt, einen Privatisierungsplan noch in diesem Monat vorzustellen. Weitere entscheidende Projekte werden die Einführung einer Schuldenbremse in der Verfassung und die Vorlage eines Finanzstabilisierungsprogramms bei der EU bis zum 9. Mai sein. Ob Slowenien es aus eigener Kraft gelingt, sich aus der Krise zu befreien, dürfte aus unserer Sicht im Wesentlichen vom genauen Kapitalbedarf der teilstaatlichen Großbanken abhängen. Unsere Schätzungen ergeben, dass Slowenien maximal knapp 2 Mrd. Euro aus eigener Kraft kurzfristig auftreiben könnte, was 10% der Bilanzsumme der angeschlagenen Banken NKBM und NLB entspricht. Übersteigt der Kapitalbedarf diese Summe, kann mit großer Wahrscheinlichkeit von der Notwendigkeit eines Hilfskredites ausgegangen werden.

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