Britische Wirtschaft wächst zum Jahresauftakt überraschend deutlich

Für eine positive Überraschung haben die jüngsten Zahlen zum Wirtschaftswachstum auf den Britischen Inseln gesorgt: die Wirtschaftsleistung ist in den ersten drei Monaten dieses Jahres gegenüber dem Schlussquartal 2012 um 0,3 Prozent gestiegen – sieht man einmal vom Olympia-Quartal im vergangenen Sommer ab, ist dies der höchste Zuwachs seit eineinhalb Jahren. Nach Angaben des Office for National Statistics wurde das Wachstum zuletzt vor allem von dem für die britische Wirtschaft besonders wichtigen Dienstleistungssektor getragen, während das verarbeitende Gewerbe einmal mehr schrumpfte. Auch die Ölförderung leistete einen ungewöhnlich hohen Wachstumsbeitrag.

Nachfrageseitige Details werden mit dieser Erstschätzung noch nicht veröffentlicht. Ein leichtes Plus bei den Einzelhandelsumsätzen im zurückliegenden Quartal lässt aber auf einen positiven Beitrag des privaten Konsums schließen. Die Bautätigkeit und die Exporte hingegen sind zum Jahresauftakt kräftig gegenüber den Vormonaten geschrumpft. Auch die Importe sind deutlich zurückgegangen, stärker sogar noch als die Ausfuhren. Das BIP-Wachstum dürfte daher zuletzt auch von einem positiven Außenbeitrag profitiert haben, der jedoch nicht auf Exportstärke sondern vielmehr Importschwäche fußt, was sicherlich noch nicht für eine solide Konjunkturerholung spricht.

Wir bleiben daher skeptisch hinsichtlich der Wachstumsperspektiven Großbritanniens: das Wachstumstempo dürfte wohl erst einmal wieder nachgeben, belastet von der hartnäckig hohen Arbeitslosigkeit, der Rezession im Euroraum und der Konsolidierungsanstrengungen der britischen Regierung, die entschlossen an ihrem Sparprogramm festhält, obwohl die Schuldenziele angesichts der anhaltenden Konjunkturschwäche immer schwerer zu erreichen sind.

In London dürften die Zahlen aber mit Erleichterung aufgenommen worden sein: Schließlich hat der britische Staat in den letzten Wochen von zwei der drei großen Ratingagenturen mit Blick auf das schwache Wachstum die AAA-Bewertung entzogen bekommen. Der Internationale Währungsfonds hat Großbritannien ebenfalls schon mehrfach vor einer wachstumsgefährdenden Sparpolitik gewarnt. Nun konnte jedoch nach der Schwäche zum Jahresschluss 2012 der Rückfall in die Rezession deutlich vermieden werden.

Das Wirtschaftswachstum wird zwar noch verhalten bleiben, der konjunkturelle Schwung vom Jahresanfang dürfte aber dafür sorgen, dass der Zuwachs im Gesamtjahr 2013 mit 0,6 Prozent etwas höher ausfällt, als bislang angenommen – auch wenn er weit unter dem langjährigen Durchschnitt liegt und die Wirtschaftsleistung auch längst noch nicht ihr Vorkrisenniveau wieder erreicht hat. Im kommenden Jahr rechnen wir mit einer allmählichen Annäherung an das Potenzialwachstum, das sich aber aufgrund der strukturellen Probleme des Landes wohl auf rund 1 ½ Prozent verringert hat.

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