Ob mit oder ohne Zinssenkung: Der Spielraum der EZB ist erschöpft

Angesichts schwächer werdender Konjunkturdaten und sinkender Teuerungsraten rechnet inzwischen die Mehrheit der von Bloomberg befragten Analysten mit einer Zinssenkung der Europäischen Zentralbank Anfang Mai. Da sich die Geldmarktzinsen aufgrund der reichhaltigen Liquiditätsversorgung der EZB aber ohnehin unterhalb des eigentlichen Leitzinses, des Refinanzierungssatzes, befinden, hätte eine Reduzierung dieses Zinses kaum Auswirkungen auf Geldmarktzinsen. Schon jetzt hat der Leit-Zins damit seine Leit-Funktion verloren.

Das drängendste Problem, die Kreditklemme in Südeuropa, würde von einer Zinssenkung kaum berührt, geschweige denn gelöst werden. Wie wir in unserer Studie vom 23. April („Geldpolitischer Funke will in der Realwirtschaft nicht zünden“) ausgeführt haben, hat die Notenbank kaum Instrumente, um an diesem Problem anzusetzen.

Dennoch kann eine Zinssenkung für die kommende Woche, insbesondere auch nach den jüngsten Äußerungen aus der EZB, nicht ausgeschlossen werden. Sie würde wohl auch kaum schaden, sieht man davon ab, dass die Notenbank damit externem Druck nachgäbe, was für die Reputation einer Zentralbank nicht unbedingt förderlich ist. Allerdings halten wir den segensreichen Einfluss auf die Realwirtschaft ebenfalls für äußerst begrenzt. Zudem besteht unserer Ansicht nach die Gefahr, dass sich die Notenbank mit einem solchen Schritt in eine geldpolitische Sackgasse manövriert.

Ob mit oder ohne Zinssenkung: Es wird zunehmend deutlich, dass der Handlungsspielraum der europäischen Währungshüter ausgeschöpft ist.

Artikel bewerten


Vielen Dank für Ihre Wertung. Ihre Wertung:
Aktuell ist noch keine Bewertung vorhanden. Seien Sie der Erste! Aktuelle durchschnittliche Bewertung des Artikels: 0

Hinterlasse eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *