Spekulationen über EZB-Leitzinssenkung lasten auf der Gemeinschaftswährung

Schwache Konjunkturdaten aus dem Euroraum haben den herrschenden Zinssenkungserwartungen erneut Auftrieb gegeben. Äußerungen einiger EZB-Vertreter, wonach die Notenbank zusätzliche Maßnahmen zur Stimulierung der Konjunktur ergreifen könne, fielen vor diesem Hintergrund auf fruchtbaren Boden. Zuletzt betonte EZB-Vizepräsident Constancio die Bereitschaft und den vorhandenen Handlungsspielraum der Geldpolitik, um auf „fortgesetzt schlechte Nachrichten“ reagieren zu können. Demgegenüber steht – mal wieder – die Einschätzung von Bundesbankpräsident Weidmann. Dieser bezeichnete das Zinsniveau unter den derzeitigen Umständen als „angemessen“. Bereits am nächsten Donnerstag entscheidet sich, wer in der Diskussion um eine Leitzinssenkung im Monat Mai das Nachsehen haben wird. Dann kommt der EZB-Rat zu seiner nächsten Sitzung zusammen. Zwar ist eine Senkung des Leitzinses um 25 Bp. nicht auszuschließen. Einen nachhaltigen Einfluss auf die Devisenmärkte dürfte ein solcher Schritt allerdings kaum haben. So ist der weitere zinspolitische Spielraum der EZB sehr begrenzt. Zudem dürften zusätzliche unkonventionelle Maßnahmen derzeit nicht mehrheitsfähig sein. Mehrheitsfähig scheint dagegen der vom italienischen Staatspräsidenten Napolitano mit der Regierungsbildung beauftragte Enrico Letta zu sein, dürfte es ihm doch gelingen, eine Koalition zwischen der „Demokratischen Partei“ und Berlusconis „Volk der Freiheit“ zu etablieren. Mehr als ein kurzfristiges Gefühl der Erleichterung dürfte die vorgesehene Regierung „von Berlusconis Gnaden“ an den Devisenmärkten allerdings kaum nach sich ziehen. So bleibt doch mit der geplanten Lösung einer großen Koalition in Italien mittelfristig ein Unsicherheitsfaktor für die Gemeinschaftswährung erhalten.

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