Geldmengenwachstum und Kreditvergabe im Euro-Raum weiter schwach

Das Geldmengenwachstum im Euroraum hat sich auf Jahresbasis im März deutlicher als erwartet abgeschwächt, Nach Mitteilung der EZB stieg die breite Geldmenge M3 nur noch mit einer Jahresrate von 2,6 Prozent, nachdem die Rate im Vormonat noch bei 3,1 Prozent gelegen hatte. Das Geldmengenwachstum ist damit seit Oktober 2012 rückläufig, was auch in einen nachlassenden mittelfristigen Inflationsdruck im Euroraum zum Ausdruck kommt. Auch im aussagekräftigeren Dreimonatszeitraum (Januar bis März) schwächte sich das Geldmengenwachstum ab. In dieser Rechnung legte das breite Geldmengenaggregat M3 um 3,0 Prozent – nach 3,4 Prozent im vorherigen Zeitraum (Dezember bis Februar). Der Zuwachs der liquidesten Form der Geldmenge M1 – Bargeld und Sichteinlagen – betrug auf Jahresbasis im März 7,1 Prozent nach 7,0 Prozent im Februar. Vielfach wird in dieser Komponente ein Vorlaufindikator für die konjunkturelle Entwicklung gesehen.

Die Kreditvergabe an den Privatsektor schwächte sich nicht weiter ab, verblieb dennoch rückläufig. Das Volumen der vergebenen Bankkredite lag wie im Vormonat um 0,8 Prozent unter Vorjahresniveau. Dies ist maßgeblich auf die schwache Konjunktur in den südlichen Mitgliedsländern des Euro-Raums zurückzuführen. Dabei sank das Volumen der Unternehmenskredite um 2,4 Prozent nach 2,5 Prozent im Vormonat. Das Volumen der an private Haushalte vergebenen Kredite erhöhte sich um 0,4 Prozent nach 0,5 Prozent im Februar.

Auch wenn die aktuellen Daten der EZB den zuletzt häufiger gestellten Forderungen nach einer weiteren Leitzinssenkung im Euro-Raum Auftrieb gegen dürften, bleibt aus unserer Sicht fraglich, ob diese die Kreditvergabe anschieben kann. Seit Juli 2012 befindet sich das Leitzinsniveau nun schon auf einem historischen Tief von 0,75 Prozent. Für die Banken ist jedoch der Einlagensatz der EZB derzeit von größerer Relevanz. Und dieser befindet sich schon bei 0,0 Prozent. Es zeigt sich einmal mehr, dass der traditionelle Wirkungskanal der Geldpolitik im Euro-Raum noch immer nicht funktioniert. Belastet von Bilanzproblemen aus den geplatzten Immobilienblasen aufgrund einer steigender Anzahl notleidender Kredite, regulatorischen Anforderungen zur Stärkung der Eigenkapitalbasis sowie der schwachen Konjunkturperspektiven halten sich die Banken vor allem in den südeuropäischen Ländern mit der Kreditvergabe weiter zurück. Daran würde auch eine weitere Leitzinssenkung kaum etwas ändern. Bleiben öffentliche Institutionen wie die Europäische Investitionsbank oder andere nationale Förderbanken, die die Kreditvergabe ausweiten könnten. Ob dies allein ausreicht ist fraglich, denn für ein höheres Kreditvolumen ist auch eine anziehende Kreditnachfrage nötig. Damit die Unternehmen aber Kredite nachfragen, bedarf einer deutlichen Stimmungsaufhellung in den einzelnen Ländern.

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