EZB senkt Leitzins auf Rekordtief

Viele haben es erwartet, niemand versteht es so richtig. Die erneute Senkung der Leitzinsen durch die EZB zeigt, dass die europäischen Währungshüter weitgehend am Ende ihrer Möglichkeiten angekommen sind.

In einem Umfeld allgemein schwacher Konjunkturindikatoren hat der geldpolitische Rat der EZB bei seinem heutigen Zusammentreffen tatsächlich die Zinszügel ein weiteres Mal um 25 Basispunkte gelockert. Der Hauptrefinanzierungssatz liegt nunmehr bei 0,50% und markiert damit ein neues Rekordtief. Den Einlagensatz haben die Währungshüter indes unverändert bei null Prozent belassen. Dies ist vor dem Hintergrund bedeutsam, dass der Hauptrefinanzierungssatz im Verlaufe der Finanz- und Schuldenkrise seine Funktion als Leitzins an den Einlagesatz abgegeben hat. Seit sich im Zuge der zahlreichen unkonventionellen Maßnahmen der EZB eine unvergleichliche Liquiditätsflut über den Geldmarkt ergossen hat, haben sich die Eonia-Notierungen verstärkt an den Einlagesatzes angelehnt. Die jüngste Senkung des Hauptrefinanzierungszinssatzes übt unserer Ansicht nach allenfalls einen geringen Effekt auf die Euribor-Notierungen und auf den Eonia aus.

Darüber hinaus befürchten wir, dass der neue geldpolitische Stimulus der wenig dynamisch europäischen Konjunkturentwicklung nicht auf die Sprünge helfen kann. In diesem Zusammenhang verweisen wir insbesondere auf den in der Peripherie gestörten Kreditkanal. Insbesondere Unternehmen in den Peripheriestaaten klagen über einen erschwerten Zugang zu Kreditmitteln. Sollten kleinere Unternehmen überhaupt einen Bankkredit „ergattern“, sehen sie sich innerhalb der Eurozone mit äußerst unterschiedlichen Kreditkosten konfrontiert. Vor diesem Hintergrund zeigen wir uns skeptisch, dass die jüngste Lockerung der Zinszügel hier Wirkung entfalten kann. Flankiert wurde die EZB-Zinssenkung noch durch die Ankündigung der Notenbank, die Vollzuteilung bei den Geldmarktoperationen zumindest bis Mitte nächsten Jahres fortzusetzen. Die Sorge vor einem Refinanzierungsengpass soll nach dem Willen der Notenbank nicht der Grund für eine mögliche Zurückhaltung der Banken bei der Kreditvergabe sein. Auch wenn diese „Liquiditäts-Versicherung“ den Geschäftsbanken Planungssicherheit gibt, hegen wir Zweifel, inwieweit diese Maßnahme der Kreditvergabe positive Impulse geben könnte. So sehen wir nicht den Mangel an Zentralbankliquidität als Hemmschuh für die Kreditvergabe, sondern vielmehr die teilweise unzureichende Eigenkapitalausstattung der Finanzinstitute und deren Wunsch, mit Blick auf Basel III ihre Bilanzrisiken zu reduzieren.

 

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