Konjunkturdaten aus China enttäuschen

Nachdem die Daten für das BIP-Wachstum in China im ersten Quartal vor einigen Wochen herb enttäuscht haben, sind nun auch die Zahlen für den Monat April kaum besser ausgefallen: Das Wachstum der Industrieproduktion hat sich zwar gegenüber dem März wieder etwas beschleunigt, blieb mit 9,3 % aber hinter den Markterwartungen zurück und weiterhin auch sichtbar unter der Schwelle von 10 %, die unseren Schätzungen zufolge einem BIP-Wachstum von etwa 8 % entspricht. Auch die Frühindikatoren für die Industrie hatten zum Monatsauftakt nachgegeben, wobei vor allem die Auftragslage schwach ausgefallen war. Die Investitionstätigkeit hat sich zuletzt nur minimal verbessert. Lediglich der Immobilienmarkt zeigt einen kräftigeren Schwung: Dort liegen die Verkaufszahlen seit Jahresauftakt etwa eineinhalb Mal so hoch wie im Vorjahr, was sich auch in einer immer stärker anziehenden Preisdynamik widerspiegelt. In einigen Großstädten, wie Peking oder Schanghai, steigen die Wohnungspreise schon wieder bedenklich.

Sicherlich sind die jüngsten Konjunkturzahlen kein vielversprechender Auftakt für das laufende zweite Quartal. Es bestätigt sich vielmehr das Bild, dass die Konjunkturerholung in China in diesem Jahr doch schleppender verläuft, als wir noch vor wenigen Monaten erwartet hatten. Wir rechnen in diesem Jahr mit einem BIP-Wachstum von 8 % – gegenüber dem Wert von 7,8 % im vergangenen Jahr stellt dies nur noch eine leichte Beschleunigung dar. Damit läge das Wachstum zwar immer noch leicht oberhalb des Zielwertes der chinesischen Regierung von 7,5 %. In der Vergangenheit galt diese Vorgabe aber eher als Minimalziel denn als Richtwert, so dass sich nun durchaus die Frage stellt, ob Peking nicht bald zu wirtschaftspolitischen Maßnahmen greifen könnte, um die Konjunktur erneut anzuschieben.

Im Moment scheint die neue Führung ihre Aufmerksamkeit aber eher den Strukturschwächen der chinesischen Wirtschaft zu widmen: So hat die Initiative gegen Korruption sicherlich das BIP-Wachstum zum Jahresauftakt belastet. Und erst vor ein paar Tagen hat die Devisenmarktaufsicht angekündigt, den Yuan-Eigenhandel der Banken zu überprüfen, da der Verdacht aufgekommen ist, dass über Export-Scheingeschäfte Kapitalverkehrskontrollen umgangen wurden. Die zuletzt recht kräftigen Exportzahlen – ein Lichtblick im schwachen Datenkranz – könnten daher möglicherweise überzeichnet sein. Darüber hinaus hat sich der Staatsrat für einen grundsätzlichen Bürokratieabbau ausgesprochen und will zahlreiche Kompetenzen von der Zentralregierung auf Provinzebene verlagern. Und schließlich werden die Reformpläne für den Finanzsektor vorangetrieben – insbesondere in Hinblick auf die volle Konvertibilität des Yuan. Diese Reformschritte sind sicherlich unumgänglich, damit das Land auch längerfristig ein hohes Wirtschaftswachstum erzielen kann. Auch sind die Ansätze nicht wirklich neu, blieben bei der Vorgängerregierung aber eher Lippenbekenntnisse, während die neue Führung anscheinend tatsächlich Worten Taten folgen lässt, auch wenn dies das Wachstum kurzfristig belastet.

Bei der Geldpolitik sehen wir kaum Spielraum für weitere Lockerungen. Die Inflationsrate blieb mit 2,4 % zuletzt zwar weit unter den Zielvorgaben Pekings von 3 ½ %, dürfte diese Schwelle aber zum Jahresende überschreiten, wozu auch der hohe Druck bei den Häuserpreisen beitragen wird. Auf Jahressicht sollte daher eher der Bedarf nach einer restriktiveren Geldpolitik zunehmen.

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