Japans Konjunktur beschleunigt sich zu Jahresbeginn

Japan hat für das erste Quartal 2013 eine gesamtwirtschaftliche Beschleunigung gemeldet, das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg um 0,9% zum Vorquartal (einfache Rate). Auf eine Jahresrate hochgerechnet beträgt der Quartalszuwachs damit 3,5%. Zugleich wurde bekannt, dass das Endquartal 2012 mit +0,2 (annualisiert: +1,0% zum Vorquartal) deutlich besser ausfiel als bislang gemeldet.

Der wirtschaftliche Auftrieb ist ein erster Erfolg für Japans neue Regierung, die ja mit einer extrem expansiven Ausrichtung der Fiskalpolitik die Wachstumskrise und Deflation im Lande  überwinden will. Der jüngste Schub beim BIP geht dabei sowohl auf die Binnennachfrage als auch auf die Nettoexporte zurück. Zum einen haben sich Japans Konsumenten endlich wieder kauffreudiger gezeigt, der private Verbrauch stieg um 0,9 (Q/Q, annualisiert). Nachgefragt waren vor allem wieder Autos. Gleichwohl sind die privaten Anlageinvestitionen zum fünften Mal in Folge rückläufig gewesen. Demgegenüber zogen aber die Ausfuhren deutlich an, unterstützt von der Abwertung des Yen, die die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der Exporteure nun enorm verbessert. Die Importe stiegen zuletzt zwar auch, aber bei weitem nicht so dynamisch wie die Exporte, so dass sich per Saldo für das erste Quartal nun ein positiver Außenbeitrag ergibt. Wenn es im Zuge der schrittweisen globalen Erholung, die im weiteren Verlauf des Jahres von uns erwartet wird, für Japans Exportsektor so erfolgreich weiter geht, ist für das Gesamtjahr kein negativer Handelsbilanzsaldo mehr zu erwarten.

Interessanterweise gingen von den staatlichen Investitionen zuletzt nur relativ geringe Wachstumsimpulse aus. Es zeigt sich, dass die Programme zur Beseitigung der Erdbebenschäden im Norden des Landes wohl ihren Höhepunkt erreicht haben. Auf der anderen Seite werden die Stimulierungseffekte des letzten großen Fiskalpakets vom Januar nun wohl erst im weiteren Verlauf des Frühlings wirksam werden. Bis August – dann sind Oberhauswahlen – soll „Abenomics“, also die nach dem Regierungschef benannte Kombination aus extrem expansiver Fiskal- und Geldpolitik, soweit Früchte tragen, dass die Regierung von den Wählern bestätigt wird. Um Japan allerdings dauerhaft aus der Krise zu führen, sind dringend die vielerorts angemahnten strukturellen Reformen im Land notwendig. Es geht hier unter anderem um eine weitere handelspolitische Öffnung, die Teilnahme an der avisierten transpazifischen Freihandelszone, um Deregulierung auf dem Arbeitsmarkt und im Dienstleistungssektor sowie um eine Lockerung der Zuwanderungspolitik. Abe will diesen „dritten Pfeil“ seiner wirtschaftspolitischen Agenda erst nächsten Monat bekannt geben. Wenn hier genauso umfassend und offensiv gehandelt wird wie auf dem Feld der herkömmlichen Konjunkturpolitik, wäre dies durchaus eine positive Überraschung.

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