Notenbankpolitik treibt Assetpreise – Selektion ist Trumpf

2012 war für viele Marktteilnehmer ein in vielerlei Hinsicht durch große Sorgen geprägtes Jahr. Die europäische Staatsschuldenkrise erreichte ihren bisherigen Höhepunkt und sorgte für eine hohe Volatilität an den Kapitalmärkten. Erst durch das massive Eingreifen aller großen Notenbanken weltweit kam es ab dem späten zweiten Halbjahr 2012 zu einer spürbaren Entspannung.

Als Folge der ultra-expansiven Geldpolitik der Notenbanken und dem dadurch bedingten Niedrigzinsumfeld haben alle börsengelisteten Assetklassen, mit Ausnahme der Rohstoffmärkte, profitiert und verzeichneten massive Kursgewinne. Die zu erzielenden Nominalrenditen bonitätsstarker Staats- und Unternehmensanleihen reichen – teilweise über das ganze Laufzeitenspektrum hinweg – inzwischen oft nicht mehr aus, um den Wert des Geldes nach Abzug von Inflation und eventuell anfallender Steuern real zu erhalten. Wegen der rückläufigen perspektivischen Renditen fließt aktuell viel frisches (ausländisches) Kapital zunehmend auch in die Aktienmärkte. Wie so oft in der Vergangenheit erfolgen die Zuflüsse erneut prozyklisch, d.h., nachdem die Aktienkurse bereits stark gestiegen sind und die Bewertung deutlich weniger attraktiv ist als vor einigen Monaten.

Der Aufschwung an den Börsen ist nicht ohne Risiko, insbesondere weil die Konjunkturerholung in den USA und Europa bislang schwächer ausfällt als in früheren Aufschwungsphasen. Bisher hängt die Gewinnentwicklung der Unternehmen dem Kursaufschwung an den Aktienmärkten hinterher. Zusätzlich drohen im weiteren Jahresverlauf weitere politische Unwägbarkeiten (Reformen in Frankreich, Bundestagswahl in Deutschland) und insbesondere müssen sich die Notenbanken zunehmend Gedanken machen, wie sie eines Tages die den Märkten bereitgestellte Liquidität wieder einsammeln werden, ohne dabei Wirtschaftswachstum und Preisstabilität zu gefährden.

Trotz dieser Risiken ist insgesamt ein Ende der Niedrigzinsära vorerst nicht abzusehen. Die Hauptlast tragen weiterhin die Sparer. Sie sind es, die letztlich über die Geldentwertung den Preis für die Entschuldungsstrategien der Notenbanken und Regierungen zahlen.

Anleger sollten in diesem Umfeld weiterhin sorgfältig verschiedene Investitionsmöglichkeiten gegeneinander abwägen und trotz der akuten Anlagenot keine höheren Risiken eingehen, nur um eine ausreichende Verzinsung des Kapitals zu erreichen. Für aktive Investor wird es auch zukünftig immer wieder aussichtsreiche Anlagemöglichkeiten geben. Dazu gehören auf der Aktienseite Themeninvestments wie z.B. auf die Erholung ausgewählter Finanzwerte oder auf noch günstig bewertete Weltmarktführer zu setzen. Ansonsten bieten sich in der Derivatewelt auch Produkte an, die Renditen in Seitwärtsmärkten generieren. Insgesamt gilt aber: Selektion wird bei Kapitalanlagen zunehmend Trumpf!

 

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