Negativer Einlagensatz ohne Impuls für Realwirtschaft

Derzeit wird am Finanzmarkt die Überlegung der EZB diskutiert, einen negativen EZB-Einlagensatz einzuführen. Mit einem derartigen Instrument verbinden deren Befürworter die Hoffnung, dass die derzeit in erheblichem Umfang bei der EZB geparkte Liquidität über eine verstärkte Kreditvergabe ihren Weg in die Realwirtschaft findet. Ein im Rahmen einer aktuellen DZ BANK Studie angestellter Vergleich der Notenbankbilanzen Italiens und Deutschlands zeigt eindrucksvoll, dass nicht unbedingt derjenige nationale Bankensektor über den umfangreichsten Liquiditätspuffer verfügt, welcher im Zuge der EZB-Offenmarktgeschäfte am meisten Zentralbankliquidität abgerufen hat. Vor diesem Hintergrund wachsen Zweifel, inwieweit von einem negativen Einlagensatz, wie von der EZB erhofft, positive Impulse für die realwirtschaftliche Entwicklung in der europäischen Peripherie ausgehen könnten. Letztlich stehen wir einer möglichen Senkung des Einlagensatzes in den negativen Bereich skeptisch gegenüber und sehen diese nicht als adäquates Mittel zur Belebung der Konjunktur in der europäischen Peripherie. So ist anzuzweifeln, dass die insbesondere in Südeuropa von Kreditengpässen geplagte mittelständische Wirtschaft hiervon profitieren könnte. In Anbetracht dieser wenig erbaulichen Aussicht auf Erfolg hielten wir es für bedenklich, wenn sich die Notenbank auf ein solches geldpolitisches Experiment einließe.

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