Unruhen in der Türkei treiben Euro-Lira zeitweise auf höchsten Stand seit Ende 2011

Begonnen hat alles mit der gewaltsamen Räumung einer Protestkundgebung gegen den Bau eines Einkaufszentrums in der Istanbuler Innenstadt durch die Polizei. Was zunächst nach einem kleineren Protest zum Erhalt eines Parks aussah, hat binnen einer Woche gewaltsame Ausschreitungen sowie Straßenschlachten zwischen der Polizei und Demonstranten in mehreren Großstädten der Türkei nach sich gezogen. Knapp 1.000 Menschen sollen Medienberichten zufolge festgenommen worden sein. Dabei steht mittlerweile nicht mehr die Rettung einer Grünfläche im Fokus. Vielmehr wollen die Demonstranten auf die zunehmend autoritäre Politik der islamisch-konservativen Regierung Erdogans aufmerksam machen.

Während der türkische Präsident Gül am Montag auf die Teilnehmer der Protestbewegung zuging und betonte, dass die „mit gutem Willen“ überbrachten Botschaften gehört wurden, goss Erdogan erneut Öl ins Feuer. So stellte der Regierungschef klar, dass die politische Führung ihre Haltung nicht ändern werde. Zudem bezeichnete er die Demonstranten als „extremistische Elemente“ – keine guten Voraussetzungen für den Beginn eines konstruktiven Dialogs.

Unterdessen scheinen die Finanzmarktteilnehmer die Einschätzung Erdogans, wonach die Proteste „nicht signifikant“ sind, keineswegs zu teilen. Getrieben von steigenden Risikoaufschlägen legten die Renditen türkischer Staatsanleihen deutlich zu; der Leitindex an der Börse in Istanbul brach zu Beginn der Woche um über 10% ein und verzeichnete damit den stärksten Rückgang innerhalb eines Tages seit März 2003. Die türkische Lira fiel gegenüber dem Euro und dem US-Dollar auf den tiefsten Stand seit Dezember 2011 bzw. Januar 2012. Zwar dürften die innenpolitischen Spannungen in den nächsten Wochen anhalten. Das Ende der Regierung Erdogans sollte dennoch nicht bevorstehen. Zu groß scheint weiterhin der Rückhalt des Regierungschefs im Parlament sowie in der Bevölkerung insgesamt, insbesondere in den ländlicheren Regionen. Unterdessen halten wir an unserer Einschätzung einer festeren Lira gegenüber dem Euro auf Sicht des kommenden Jahres fest.

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