EZB: Geldpolitik im Grenzbereich

Die europäischen Währungshüter haben bei ihrem heutigen Zusammentreffen den Leitzins unangetastet bei 0,50% belassen. Trotzdem war diese Zinssitzung kein Non-Event, sind doch im Zuge der zugehörigen Pressekonferenz neue Projektionen zur Konjunktur- und Inflationsentwicklung vorgestellt worden. Die EZB-Stabsmitarbeiter haben allerdings nur in geringem Umfang Anpassungen vorgenommen. Für das laufende Jahr rechnet die Notenbank mit einer um 0,6% schrumpfenden Wirtschaftsleistung. Für 2014 ist nach Einschätzung der EZB von einem BIP-Plus im Bereich von 1,1% auszugehen.

Die Notenbanker haben die Tür für eine weitere Lockerung der Zinszügel weiter offen gehalten. Auch wenn wir einen davon ausgehenden Impuls für die Realwirtschaft für überschaubar halten, können wir uns vorstellen, dass die EZB zur Absicherung der Erholung den Leitzins auf Sicht von drei Monaten erneut senken könnte, und zwar auf dann 0,25%. Wichtig wird in diesem Zusammenhang sein, wie sich die Konjunkturdaten für die Eurozone in den kommenden Wochen entwickeln werden. Sollte hier keine Erholung der Wirtschaft absehbar sein, rückt ein erneuter Zinsschritt in greifbare Nähe.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, inwieweit die Währungshüter den Einlagensatz dann in den negativen Bereich drücken. Draghi hat im Rahmen der Pressekonferenz darauf hingewiesen, dass die EZB aus technischer Sicht auf einen solchen Schritt vorbereitet sei. Dieser sollte daher auch weiterhin nicht ausgeschlossen werden, auch wenn dieses Vorhaben innerhalb des EZB-Rates umstritten ist. Als zielführender würden wir es allerdings erachten, wenn die EZB in einer Form eines „Quantitative Easings“ Kreditportfolien, bestehend aus mittelständischen Krediten, von Banken aufkauft. Angesichts zahlreicher noch zu klärender Detailfragen hat sich die Notenbank hinsichtlich dieses Vorhabens aber weiter bedeckt halten.

Letztlich zeigen die Diskussionen über die möglichen Handlungsoptionen der EZB deutlich, dass diese zwischenzeitlich an der Grenze ihrer Geldpolitik angelangt ist. Die Geldpolitik hat ihren Teil zur Krisenbewältigung weitgehend geliefert, nun sind die Krisenstaaten selbst am Zug – und sie benötigen einen langen Atem.

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