Chinesische Konjunktur auch im Mai ohne rechten Schwung

Ein weiterer Monat mit überwiegend enttäuschenden Konjunkturdaten aus China: Auch im Mai weist die chinesische Industrie, die für rund die Hälfte der Wirtschaftsleistung des Landes steht, keine Wachstumsbeschleunigung auf. Der Anstieg der Industrieproduktion verharrte mit 9,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr etwa auf dem Wert des Vormonats, im Vergleich zum ersten Quartal hat sich das Wachstum der Industrie im laufenden Vierteljahr sogar weiter verlangsamt. Auch der Bau zeigte sich zuletzt wieder etwas schwächer, obwohl die steigenden Hauspreise und die regen Umsätze am Immobilienmarkt eigentlich für eine anziehende Bautätigkeit sprächen. Aber die jüngsten Vorstöße der chinesischen Führung zur Eindämmung der Immobilienspekulation mögen wohl Zweifel an der Nachhaltigkeit der hohen Marktaktivität geschürt und Investoren verunsichert haben.

Dass die chinesischen Exporte im Mai gegenüber dem Vormonat gesunken und gegenüber dem Vorjahr kaum gewachsen sind, mag angesichts der zuletzt verschärften Finanzkontrollen hingegen weniger verwundern. Erst vor wenigen Wochen war der Verdacht aufgekommen, dass über Export-Scheingeschäfte im großen Stil Kapitalverkehrskontrollen umgangen wurden, weshalb die Exportzahlen als überzeichnet galten. Das aktuell schwache Wachstum der Ausfuhren dürfte nun ein korrekteres Bild der Exportkonjunktur Chinas widerspiegeln, die nach wie vor besonders unter der Nachfrageschwäche in Europa leidet. Enttäuschend ist jedoch, dass auch die Importe gesunken sind, was auf eine schwache Dynamik der Binnennachfrage hinweist. So haben sich die Einzelhandelsumsätze, deren Wachstum zum Jahresauftakt aufgrund der strikteren Korruptionsbekämpfung durch die chinesische Regierung sichtbar abgesackt war, immer noch kaum von diesem Rückschlag erholen können.

Vor diesem Hintergrund wird es zunehmend unwahrscheinlich, dass sich das Wachstum der chinesischen Gesamtwirtschaft im laufenden Quartal gegenüber dem Jahresauftakt, der mit einem Anstieg der Wirtschaftsleistung von 7,7 Prozent überraschend schwach ausfiel, sichtbar beschleunigt hat. Die Konjunkturbelebung in China lässt also weiter auf sich warten.

Ein gewisser Lichtblick im monatlichen Datenkranz zur chinesischen Konjunktur ist der überraschende Rückgang der Inflationsrate von 2,4 auf 2,1 Prozent dank deutlich gefallener Nahrungsmittelpreise aber auch eines generell nachlassenden Drucks bei den Verbraucherpreisen. Vor diesem Hintergrund dürfte das offizielle Inflationsziel von 3 ½ Prozent anders als bisher gedacht in diesem Jahr wohl nicht mehr überschritten werden, wodurch sich der geldpolitische Spielraum der People’s Bank of China etwas erhöht. Zwar sehen wir die Hoffnungen, die PBoC könnte zur Stützung der Konjunktur schon bald die Zinsen senken, skeptisch. Dagegen spricht nicht nur der hohe Auftrieb bei den Häuserpreisen, sondern auch die Haltung der neuen Führung in Peking, die sich zuletzt explizit gegen erneute Konjunkturpakete ausgesprochen hat. Der Bedarf nach einer restriktiveren Geldpolitik dürfte nun aber später zunehmen und das nach wie vor eher lockere monetäre Umfeld die Konjunktur länger unterstützen als bislang erwartet. Auch der Konjunkturaufschwung in den USA – mittlerweile wieder der größte Absatzmarkt für China – dürfte schon bald für positive Impulse sorgen. Für die zweite Jahreshälfte rechnen wir mit einem etwas kräftigeren Wachstum in China.

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