Japanische Kapitalflucht: ein Mythos?

Anfang April hatte die Bank of Japan den Markt  mit ihrer Ankündigung einer noch  expansiveren Geldpolitik schockiert. Groß waren die Zweifel an den Erfolgschancen der Zentralbank, deren Ziel es ist, Inflation zu generieren und, in Kombination mit der ebenfalls expansiven Fiskalpolitik der japanischen Regierung, die Wirtschaft anzukurbeln. Aber nicht nur die möglichen Auswirkungen auf die Inflation, das Zinsniveau oder die Währung wurden hitzig debattiert. Auch mögliche Auswirkungen auf den europäischen Rentenmarkt waren ein Thema, nachdem Spekulationen über eine mögliche Kapitalflucht aus Japan aufkamen. Dies, so die Vermutung, würde vor allem dem europäischen Rentenmarkt zugutekommen. Doch die jüngsten Portfolioflowdaten haben diesbezügliche Hoffnungen erst einmal zunichte gemacht. So zeigen die Daten, dass japanische Investoren auch im April Kapital nach Japan  zurückholten. Insgesamt belief sich der Rückfluss an Kapital in den ersten 4 Monaten des Jahres auf 100 Mrd. US-Dollar und war damit weit von einer Kapitalflucht entfernt. Die regionalen Daten zeigen zwar, dass ein Großteil dieser Repatriierung zulasten des amerikanischen Rentenmarkts ging, aber auch die Nachfrage nach europäischen Anleihen hat im Verlauf des Jahres eher nachgelassen. So waren japanische Investoren im April sogar Verkäufer deutscher Bundesanleihen. Netto-Käufe sind dagegen in Frankreich, Holland und Luxemburg zu vermelden, wobei hier zu beachten ist, dass diese Nachfrage schon lange vor der jüngsten Ankündigung der BoJ bestand. Die Daten liefern daher keinerlei Beweise für die Theorie, dass die neue Strategie der BoJ zu einer plötzlichen Kapitalflucht aus Japan geführt hat. Im Gegenteil, wenn überhaupt ist der „home-bias“ japanischer Investoren nun ausgeprägter als vorher.

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