Mark Carney: Frischer Wind bei der Bank of England

Nach 16 Jahren als Mitglied des MPC (davon 10 Jahren als Gouverneur) und 194 Sitzungen tritt Bank of England Gouverneur Mervyn King Ende dieser Woche zurück. Unter King hatte die Bank of England (BoE) 1997 erste Schritte in Richtung Unabhängigkeit getan, in Folge des Kollapses von Lehman Brothers eine der schwersten Krisen in ihrer 319-jährigen Geschichte durchlaufen und in den vergangenen Jahren die massivste jemals unternommene geldpolitische Expansion durchgeführt. Zunehmend in die Kritik geraten, verabschiedet sich Mervyn King zu einer schwierigen Zeit. Zwar überraschten die Wirtschaftsdaten zuletzt auf der positiven Seite, dennoch bleibt der Ausblick von hoher Unsicherheit geprägt. Dies wird Kings Nachfolger, den ehemalige Gouverneur der Bank of Canada Mark Carney, vor große Herausforderungen stellen.

Mark Carney eilt der Ruf einer Taube voraus. Zu Unrecht, wie wir finden. Zwar hatte die Bank of Canada 2008 die Zinsen aggressiv gesenkt und dem Markt im April desselben Jahres zugesagt, die Zinsen auf niedrigem Niveau zu halten. Carney war aber ebenso bereit, die Zinsen schon 2010 wieder anzuheben. Seine geldpolitische Ausrichtung lässt sich nicht in Kategorien wie „Tauben“ oder „Falken“ ausdrücken, sondern ist von großem Pragmatismus geprägt. Vor allem ist sie vorausschauend. Angesichts des nach wie vor fragilen wirtschaftlichen Umfelds ist es daher durchaus wahrscheinlich, dass die BoE unter Carneys Leitung eine weitere Ausweitung geldpolitischer Maßnahmen beschließt. Zuerst wird Carney allerdings seine Kollegen im MPC überzeugen müssen, von denen momentan sechs auf dem Standpunkt stehen, dass dies nicht notwendig sei. Die vergleichsweise robusten Daten der letzten Wochen und der jüngste Anstieg der Inflationsrate wird dies zu einer Herausforderung machen. Allerdings kann sich Mark Carney der vollen Unterstützung der Regierung sicher sein, vor allem George Osborne hat viel politisches Kapital in die Ernennung Carneys investiert.

Der jüngste Anstieg der Zinsen in Großbritannien war eindeutig den Entwicklungen in den USA geschuldet, die dazu geführt haben, dass Investoren global begonnen haben, ihre Portfolios auf kürzere Laufzeiten umzustrukturieren. Dennoch erwarten wir, dass die Märkte, nachdem der erste Schock verflogen ist, wieder stärker differenzieren. Dies und die Perspektive für eine weitere Ausweitung der Geldpolitik in Großbritannien sollte das Zinsniveau der Gilts wieder senken. Und auch das Britische Pfund sollte seinen momentanen Abwärtstrend gegenüber dem starken US-Dollar fortsetzen.

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