USA stehen vor der Verschärfung der Eigenkapitalregeln für Banken

Diese Woche hat sich das Board der US-Notenbank für die Übernahme der vom Basel Komitee vorgeschlagenen neuen Eigenkapitalregeln nach Basel III ausgesprochen. Ab Januar 2014 werden US-Banken die neuen, strengeren regulatorischen (risikogewichteten) Eigenkapitalquoten mit entsprechenden Übergangsregelungen einhalten müssen. Die großen US-Banken dürften keine Probleme haben, diese Quoten zu erfüllen.

Allerdings drohen den US-Banken weitere Regelungen, die auf eine zusätzliche Stärkung der Eigenkapitalbasis abzielen. Darüber wird aber offenbar noch zwischen den unterschiedlichen für die Bankenregulierung verantwortlichen Behörden gerungen. So könnten beispielweise Banken, die sich stark auf kurzfristige Refinanzierungen verlassen, zu zusätzlichen Eigenkapitalpuffern gezwungen werden.

Daneben wird für die US-Banken insbesondere aber auch die Überarbeitung des Leverage Ratios – einer vom Risiko unabhängigen Eigenkapitalquote – bedeutsam sein. Während es in Europa bislang noch keine bindende Leverage Ratio gibt, wird in den USA bereits eine Leverage Ratio von mindestens 4% verwendet. Das Basel Komitee hat nun vorgeschlagen, dass ab 2018 weltweit eine Leverage Ratio von mindestens 3% einzuhalten ist, wobei die Definition dieser Quote deutlich strenger ausfällt, als sie in den USA bislang zugrunde gelegt wird. So wird die Definition des Tier 1 Kapitals (Zähler) verschärft und die Bemessungsgrundlage (Nenner) beispielsweise um außerbilanzielles Geschäft ausgeweitet.

Die US-Aufsichtsbehörden werden offenbar grundsätzlich eine Mindestquote von 4% beibehalten, für zumindest die acht größten US-Banken jedoch eine höhere Mindestquote vorschreiben. Die ehemalige Vorsitzende der US-Einlagensicherung FDIC Sheila Bair fordert eine Quote von mindestens 8%, der aktuelle stellvertretende Vorsitzende der FDIC Thomas M. Hoenig eine Mindestquote im Bereich von 10%.

Wahrscheinlicher ist jedoch, schenkt man jüngsten Medienberichten Glauben, dass in den USA für die Großbanken eine Leverage Ratio im Bereich von 6% beschlossen wird. Wichtig wird dabei für die Banken auch sein, wie der Zähler und insbesondere der Nenner bei der Berechnung der Ratio in den USA definiert werden. So setzen sich die US-Banken stark dafür ein, dass das bislang nach US-GAAP gegenüber IFRS stärker zulässige Netting von Derivatepositionen weiter berücksichtigt wird. Zudem plädieren sie für eine Nichtberücksichtigung von Barmittelbeständen und Zentralbankguthaben, aber auch von US-Staatsanleihen.

Derzeit weisen die meisten US-Banken zwar noch Leverage Ratios über 7% aus. Zur Höhe ihrer Leverage Ratio nach den strengeren Basel III Vorgaben haben sich die Banken selber jedoch noch nicht geäußert. Abhängig von der neuen Definition und der Festlegung der neuen Mindesthöhe der Quote könnten die großen US-Banken einen erheblichen Eigenkapitalbedarf aufweisen. Die Banken dürften jedoch eine Übergangsfrist bekommen, bis sie die neue Leverage Ratio erfüllen müssen, zumal in Europa noch nicht einmal feststeht, ob eine bindende Leverage Ratio überhaupt flächendeckend eingeführt wird.

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2 Kommentare

Sebastian Fleer

In meinen Augen ist die Leverage Ratio eine absolute Pflicht für die Bankenregulierung. Insbesondere die Backstop-Funktion bei versagen der (IRB, oder auch KSA) Risikoquantifizierung ist ein wichtiger Schritt zur Ermittlung der Mindesteigenmittelunterlegung. Schade ist nur, dass die Leverage Ratio nicht global umgesetzt werden kann. Jede Rechnungslegung, jeder Währungsbereich, jeder Länderverbund legt die Ideen des BCBS anders aus. Dies Betrifft sowohl die Höhe, als auch die Ausgestaltung. Daraus folgt ein Backstop der vielleicht regional gewissermaßen Vergleichbarkeit und damit auch Sicherheit mit sich bringt, global wahrscheinlich aber zum scheitern verurteilt ist.

Wir geben Ihnen diesbezüglich recht, auch aus unserer Sicht ist eine risikoungewichtete Eigenkapitalvorgabe wie die Leverage Ratio aufgrund der beobachteten Defizite bei risikogewichteten Eigenkapitalquoten unerlässlich. Während die USA und auch Großbritannien diesbezüglich schon konkrete Regelungen festgelegt haben, empfiehlt der Baseler Ausschuss zumindest unverändert die Einführung einer Leverage Ratio ab 2019. Dabei ist in der Tat zu berücksichtigen, dass es insbesondere zwischen den USA und der restlichen Welt aufgrund der unterschiedlichen Bilanzierungsvorgaben (US-GAAP versus IFRS) auch unterschiedliche Leveragevorgaben geben muss, die die Vergleichbarkeit erschweren.

Auf der anderen Seite weist die Leverage Ratio aber auch Defizite auf, die zu Fehlanreizen führen können. Es ist eine vereinfachte Berechnung, bei der jedem Aktivum das gleiche Risikogewicht beigemessen wird, Zentralbankguthaben müssen in gleicher Höhe mit Eigenkapital unterlegt werden wie CLOs und dergleichen. Banken, die vergleichsweise risikoarmes Hypothekenkreditgeschäft betreiben, müssen ihre Hypothekardarlehen in gleicher Höhe mit Eigenkapital unterlegen, wie Investmentbanken ihre Handels- und Eigenanlagebestände oder Konsumentenfinanzierer ihre unbesicherten Kundenkredite.

Letztlich sollte aus unserer Sicht eine Kombination aus risikogewichteten und ungewichteten Eigenkapitalquoten zur Beurteilung der Angemessenheit der Eigenkapitalaustattung von Banken herangezogen werden.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr DZ BANK Research

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