Warum die EZB wie die Fed wurde, um nicht wie die Fed zu sein

Die beiden großen europäischen Notenbanken, die Bank of England (BoE) und die Europäische Zentralbank (EZB), überraschten in der letzten Woche. Mit sehr deutlichen Worten signalisierte man eine noch lange anhaltende Phase niedriger Leitzinsen. Die EZB legt sich dafür zum ersten Mal seit ihrer Gründung fest, versprach auf absehbare Zeit niedrige Zinsen und schloss auch eine weitere Zinssenkung explizit nicht aus. Auslöser für dieses fast synchrone Verhalten von britischer Notenbank und der EZB war die Fed. Diese hatte mit der Ankündigung, dass die Zeit der beherzten Notenbankeingriffe und der  großzügigen Liquiditätsversorgung bald beendet sein könne, die Finanzmärkte merklich in Unruhe versetzt und Erwartungen wieder steigender Leitzinsen geschürt. Naturgemäß sind dabei die Kapitalmarktrenditen sehr deutlich angestiegen.

Für die europäischen Volkswirtschaften kam dies jedoch zur Unzeit. Während sich die US-Wirtschaft weitestgehend aus der jüngsten Krise herausgearbeitet hat und der US-Bankensektor sich stabilisiert hat, ist die Lage in Europa weit davon entfernt, als gut bezeichnet werden zu können.

Euroland und Großbritannien verharren weiter in der Rezession, und der Ausblick für 2014 verspricht allenfalls nur ein geringes BIP-Wachstum. Zudem sind die strukturellen Unwuchten zwischen den Ländern des Euroraums weiterhin vorhanden. Die Entwicklung der Wachstumspotenziale in den Ländern deutet sogar auf eine Vergrößerung der strukturellen Unterschiede hin. Der Bankenmarkt steckt in den Problemländern in Europa weiterhin in einer tiefen Krise, die sich auch in einer stark sinkenden Kreditvergabe widerspiegelt.

Das letzte, was die europäischen Volkswirtschaften aktuell brauchen, sind folglich steigende Renditen. Denn nachhaltig steigende Renditen verteuern die Finanzierung der immensen Staatsschulden, die Refinanzierung der Banken und letztendlich auch die marginalen Kosten von Investitionen. Entsprechend ist die Reaktion der EZB und der BoE nur zu verständlich und nachvollziehbar. Die unterschiedlichen Reaktionen der Notenbanken in den USA und in Europa sind letztendlich nur ein weiterer Hinweis darauf, dass sich die Volkswirtschaften dies- und jenseits des Atlantiks in gänzlich unterschiedlichen Phasen der Krisenbewältigung befinden. Diese strukturellen Unterschiede zwischen der europäischen und der US-amerikanischen Volkswirtschaft dürften auch in den kommenden Quartalen noch anhalten. Entsprechend sollten sich auch die Reaktionen der Notenbanken kaum ändern.

Nach einer Korrektur der jüngsten Übertreibungen sollten die US Renditen perspektivisch steigen. In Europa wird man dagegen versuchen, die Auswirkungen daraus soweit wie möglich in Grenzen zu halten. Die US-Aktienmärkte dagegen dürften von der sich weiterhin verbessernden Situation der Wirtschaft und daraus resultierend auch der Gewinnaussichten der Unternehmen profitieren. Von dieser Entwicklung sollte auch der deutsche Aktienmarkt sehr deutlich profitieren, da sowohl indirekt wie auch direkt die deutschen Unternehmen von einer stärkeren US-Wirtschaft profitieren. Für Edelmetalle wird sich damit das Umfeld aber nicht bessern, da steigende Realzinsen und geringe Inflationssorgen schon zuletzt die Haupttreiber für den Abverkauf waren. Wenn man also der Fed glaubt, dass es zumindest in den USA Zeit ist, das monetäre Umfeld mittelfristig wieder zu normalisieren, spricht vieles dafür, dass sich die Aktienmärkte der Industrieländer in den kommenden Quartalen sehr gut entwickeln werden. Kurzfristig sollte man aber noch mit einer etwas höheren Volatilität rechnen, da sich mit der neuen Fed-Politik die Korrelationen an den Finanzmärkten ändern und die Finanzmarktakteure, wie auch die Handelsmodelle, sich auf das neue Umfeld erst einstellen müssen.

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