Chinas Exportschwäche trübt Wachstumsaussichten ein

Chinas Exportkonjunktur zeigt sich auch zum Abschluss des zweiten Quartals von der schwachen Seite: Die Ausfuhren sanken im Juni gegenüber dem Vormonat um gut 4 ½ Prozent – das ist auch für einen Juni, in dem der Außenhandel saisonüblich eher schwach ausfällt, ein deutlicher Rückgang. Bereits im April und Mai waren die Exporte kaum noch gewachsen, so dass die Jahresrate nun endgültig in den negativen Bereich abgerutscht ist. Mit -3,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr ist dies das erste Minus seit Anfang 2012 und der schwächste Wert seit Herbst 2009, als sich China gerade von der schweren Wirtschaftskrise erholte.

Sicherlich ist ein wichtiger Grund für die schwachen Exportzahlen, dass die seit Mai durchgeführten Finanzkontrollen zur Unterbindung von Exportscheingeschäften nun Wirkung zeigen. Über fiktive oder überhöhte Exportgeschäfte soll gerade zum Auftakt dieses Jahres ausländisches Kapital unter Umgehung der immer noch bestehenden strikten Kapitalverkehrskontrollen im großen Stil nach China geflossen sein. Das Exportwachstum in den ersten Monaten dieses Jahres dürfte daher deutlich überzeichnet gewesen sein, das aktuelle Niveau ein unverzerrteres Bild widerspiegeln.

Damit wird aber wieder umso deutlicher, wie stark die schleppende Nachfrage auf den beiden wichtigsten Absatzmärkten Chinas – den USA und der EU – die Exportkonjunktur und gesamtwirtschaftliche Entwicklung des Landes belastet. Auch wenn sich im Handel mit Europa zuletzt eine Erholung abzeichnet, liegen die chinesischen Ausfuhren in beide Wirtschaftsräume weiterhin weit unter ihren Vorjahreswerten. Hierzu trägt sicherlich die immer noch schwache Konjunkturentwicklung, insbesondere in der EWU entscheidend bei. Zunehmend belastend wirken sich aber auch die beständig steigenden Löhne in der chinesischen Exportindustrie sowie die anhaltende Aufwertung des Yuan aus. Gegenüber dem US-Dollar hat sich die chinesische Währung seit Mitte 2010 um mittlerweile 8 Prozent verteuert – gegenüber dem Euro waren es zwischenzeitlich sogar über 10 Prozent.

Für die Konjunktur Chinas und die Wachstumszahlen, die am kommenden Montag veröffentlicht werden, sind die jüngsten Daten kein gutes Omen. Dabei gehen wir noch nicht einmal davon aus, dass der Wachstumsbeitrag des Außenhandels im abgelaufenen Quartal stark negativ war – denn die Importe waren in den vergangenen Monaten auch auffällig schwach, der Handelsbilanzüberschuss hat sich im Juni sogar wieder deutlich ausgeweitet. Dies aber spricht dafür, dass auch die Binnenkonjunktur in den Frühjahrsmonaten weiterhin schleppend verlaufen ist, was die Monatswerte für die Industrieproduktion, den Einzelhandel und die Investitionstätigkeit bislang auch bestätigen. Das BIP-Wachstum wird sich im zurückliegenden Vierteljahr gegenüber dem Jahresauftakt wohl noch einmal abgeschwächt haben.

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