Setzt die ungarische Notenbank ihren Zinssenkungszyklus fort?

Ausgehend von einem Leitzinsniveau von 7,00% Ende August 2012 hat die ungarische Notenbank (MNB) den Leitzins drastisch um 275 Bp auf ein Rekordtief von nun 4,25% gesenkt. Als Grund für diese massive geldpolitische Lockerung ist die seit Anfang 2012 zu beobachtende ausgeprägte konjunkturelle Schwächephase der dortigen Wirtschaft zu nennen. Mit Blick auf die am Dienstag anstehende Sitzung der MNB stellt sich nun die Frage, ob sie hier die geldpolitischen Zügel weiter lockern wird oder ob das Ende des Zinssenkungszyklus, wie etwa in Polen, nun erreicht ist.

Unserer Einschätzung nach dürften die ungarischen Währungshüter in der kommenden Woche den Leitzins einmal mehr um 25 Bp auf ein neues Rekordtief von 4,00% senken. So hat doch u.a. MNB-Chef Matolcsy sich jüngst für eine Fortsetzung des expansiven Kurses der Notenbank ausgesprochen, sollte dies das globale Marktumfeld erlauben. Mit unserer Erwartung einer unmittelbar bevorstehenden weiteren Lockerung der geldpolitischen Zügel um 25 Bp teilen wir einer aktuellen Reutersumfrage (18. Juli) zufolge die Marktmeinung. Ein Unterschied ergibt sich jedoch hinsichtlich der Frage, wie es nach diesem erwarteten Schritt geldpolitisch in Ungarn weitergehen wird. Während der Markt auf kurze Sicht mehrheitlich von einer weiteren Senkung ausgeht und damit das Ende im aktuellen Zinssenkungszyklus bei 3,75% erachtet, dürfte die MNB unserer Ansicht nach bereits bei einem Leitzinsniveau von 4,00% innehalten und deutlich machen, dass weitere Lockerungsschritte nicht mehr zwingend notwendig erscheinen. Grund für diese Erwartung gibt uns die aktuelle konjunkturelle Einschätzung der MNB. So geht sie in ihrem aktuellen Inflationsbericht doch davon aus, dass die Wirtschaft ihres Landes auch in den kommenden Quartalen weiter leicht positive Wachstumsraten verzeichnen wird. 2014 sollte die Wirtschaft dann mit einem erwarteten BIP-Plus von 1,5% wieder in den Bereich ihres langfristigen Wachstumsdurchschnitts zurückkehren. Zudem ist zu bedenken, dass die jüngsten massiven Leitzinssenkungen ihre Wirkung auf die Wirtschaft noch nicht komplett entfaltet haben dürften. Sollte die MNB wie von uns erwartet am Dienstag durchblicken lassen, dass eine weitere Leitzinssenkung keine ausgemachte Sache mehr ist, dürfte sie damit dem Forint den Tag versüßen.

Artikel bewerten


Vielen Dank für Ihre Wertung. Ihre Wertung:
Aktuell ist noch keine Bewertung vorhanden. Seien Sie der Erste! Aktuelle durchschnittliche Bewertung des Artikels: 0

Hinterlasse eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *