Spanischer Immobilienmarkt: Überangebot und schwache Nachfrage drücken weiter auf die Preise

Der heute vom Ministerio de Fomento veröffentlichte Preisindex für den spanischen Immobilienmarkt weist für das zweite Quartal einen Rückgang gegenüber dem Vorquartal von 2,4 Prozent aus. Dies entspricht weitgehend dem seit Anfang 2012 anhaltenden Preistrend. Zur Jahresmitte 2013 liegen die Preise damit 7,6 Prozent unter dem Vorjahresniveau, verglichen mit dem Höchststand im ersten Quartal 2008 sind sie um 29,5 Prozent gesunken. Gegenüber diesen auf Bankbewertungen beruhenden Daten zeichnet der auf tatsächlichen Verkaufspreisen fußende Index des Statistikamtes INE ein noch düstereres Bild. Die für das erste Quartal verfügbaren Zahlen fallen mit einem Preisrückgang auf Jahresbasis von rund 14 Prozent deutlich schlechter aus.

Der Mühlstein, der den Markt seit nunmehr 21 Quartalen kontinuierlich nach unten zieht, ist das gewaltige Angebot der zum Verkauf stehenden Häuser und Wohnungen. Das wird anhand der von der Beratungsgesellschaft RR Acuña Ende Juni veröffentlichten Marktdaten deutlich. Danach stehen 1,7 Millionen Wohneinheiten zum Verkauf, die sich aus rund 800.000 Neubauten und 900.000 Bestandsobjekten zusammensetzen. Dazu addiert RR Acuña noch ein potenzielles Angebot aus weiteren 550.000 Einheiten – 400.000 sind im Bau, bei 150.000 steht die Zwangsversteigerung an.

Selbst bei guter Marktlage wäre der Verkauf dieser 2,2 Millionen Wohnungen und Häuser ambitioniert. Sie entsprechen fast 9 Prozent des gesamten spanischen Bestandes an Wohnimmobilien – rund 26 Millionen Einheiten. Die inländische Nachfrage ist rezessionsbedingt und aufgrund der Arbeitslosenquote von gut 27 Prozent derzeit ausgesprochen schwach. Damit wird es aus heutiger Sicht sehr lange dauern, bis das Angebot vom Markt absorbiert sein wird. Auch werden damit weitere Preisrückgänge einhergehen. Hinzu kommt, dass die jungen Spanier als zukünftige Käufer unter einer doppelt so hohen Arbeitslosigkeit beziehungsweise oftmals prekären Beschäftigungsverhältnissen leiden. Damit sind sie kaum in der Lage, die für einen späteren Kauf notwendigen Eigenmittel anzusparen.

Ein kleiner Silberstreif am Horizont lässt sich in den Verkaufszahlen entdecken. Diese lagen von Januar bis Mai mit 29.400 Einheiten pro Monat etwas oberhalb des Durchschnitts aus 2012. Hier wurden im Mittel nur 26.500 Einheiten pro Monat abgesetzt. Diese Entwicklung dürfte vor allem mit Immobilienverkäufen an Ausländer zusammenhängen, die aufgrund des hohen Angebots, schon deutlich gefallenen Preisen und attraktiven Finanzierungskonditionen zumindest für eine Belebung der Nachfrage nach Feriendomizilen sorgen.

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