Kommt jetzt die lange erwartete Kapitalflut aus Japan?

Im Zuge der diversen geldpolitischen Lockerungsaktionen der Bank von Japan war im Frühjahr immer wieder die These zu vernehmen gewesen, diese Liquiditätsflut würde ins Ausland fließen und sich massiv an ausländischen Kapitalmärkten bemerkbar machen, ganz nach dem Vorbild der US-Liquiditätswelle. Doch so überzeugend es auch auf den ersten Blick war, dass japanische Investoren auf der Suche nach höherer Rendite ins Ausland gehen und dort Kursfeuerwerke auf breiter Front auslösen – die Kapitalflussdaten der ersten Monate unter dem neuen geldpolitischen Regime haben eine ganz andere Sprache gesprochen. Statt des zu erwartenden Kapitalabflusses gab es umfangreiche Repatriierungen seitens japanischer Investoren. Über deren Motivation kann nur spekuliert werden, ob es die Flucht aus dem kollabierenden US-Rentenmarkt war? Oder die Aussicht auf eine dank Abenomics prosperierende japanische Volkswirtschaft, an der man teilhaben wollte? Jedenfalls wurden von Anfang April bis Ende Juni ausländische Portfolioinvestitionen im Wert von 8.953 Mrd. JPY durch Japaner aufgelöst und nach Japan zurückgeführt („repatriiert“).

Dieser zunächst stabile Trend ist seit drei Wochen passé. Seit Anfang Juli haben japanische Investoren wieder verstärkt ausländische Wertpapiere (u.a. Bonds) gekauft statt verkauft, und zwar in Höhe von 2.551,4 Mrd. JPY. Auch hier lässt sich über die Motive nur mutmaßen: boten die internationalen Rentenmärkte nach der Korrektur vom Juni plötzlich wieder gute Einstiegsmöglichkeiten? Sind die Zweifel am Erfolg der Abenomics zwischenzeitlich so groß geworden, dass es Zeit für die Flucht ins Ausland wird? Die unmittelbare Wechselkurswirkung dieser grenzüberschreitenden Flows ist bekanntlich eher gering, und das nicht nur beim Yen. Beachtenswert sind aber sehr wohl die übergeordneten Trends. Hier wird es auf die lange Frist für Japan und den Yen sehr wohl Auswirkungen haben, wenn japanisches Investorengeld systematisch ins Ausland fließt. Falls diese Lücke nicht durch ausländische Investoren in Japan geschlossen werden kann, dürften die Finanzierung der japanischen Leistungsbilanz, die nicht mehr über einen strukturellen Überschuss verfügt, und die demographischen Herausforderungen für Japan künftig zu einem echten Problem werden.

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