Griechenland: Nur ein Schuldenschnitt kann wirklich helfen

Entwicklung des Schuldenstandes enttäuscht auf ganzer Linie
Die Troika und besonders die deutsche Bundesregierung bemühen sich, mit Verweis auf die Reformen und die jüngsten Sparbeschlüsse den Eindruck zu erwecken, Griechenland befände sich auf einem wirtschaftlich sowie fiskalisch guten Weg. Zwar reduzierte sich der Schuldenstand nach dem Zwangsumtausch von Staatsanleihen vom ersten auf das zweite Quartal 2012 von 170,3% des BIP auf nur noch 136,5%, doch schon damals wurde das eigentliche Ziele einer Schuldenreduzierung auf 120% des BIP klar verfehlt. Neben der fehlenden Konsequenz bei der Umsetzung von Sparbeschlüssen trägt gegenwärtig vor allem die scharfe Rezession zum hohen Anstieg der Quote des Schuldenstandes bei, die die Marke von 175% des BIP bis Ende dieses Jahres übersteigen könnte.

Verschuldungsszenarien für Griechenland
Der IWF als einer der Kreditgeber erwartet, dass Griechenland bis 2017 seinen Schuldenstand auf 140,9% des BIP senken kann. Der Fonds nimmt hierzu an, dass die griechische Volkswirtschaft ab 2014 wieder zulegt und fortan reale BIP-Wachstumsraten zwischen 2,9% und 3,7% realisiert. Gleichzeitig soll der Primärüberschuss kontinuierlich bis auf 4,5% des BIP anwachsen und der Staat konstant hohe Privatisierungserlöse erzielen. Diese Annahmen bewerten wir als sehr optimistisch. Unter der realistischeren Prämisse eines weniger starken BIP-Wachstums und geringer ansteigender Primärüberschüsse dürfte Griechenlands Schuldenstand bis 2017 eher auf einem hohen Niveau verharren. Die Frage nach einer Schuldenerleichterung wird damit zunehmend drängender.

Finanzpolitische Implikationen
Nachdem im Jahr 2012 private Gläubiger bereits auf einen Großteil ihrer Forderungen verzichten mussten, ist ein erneuter Zwangsumtausch bei den ausstehenden Anleihen unwahrscheinlich. Damit dürfte der Druck nun vor allem auf den öffentlichen Gläubigern liegen. Eine Reduzierung der Zinslasten würde zwar zu einer weniger ungünstigen Schuldenstandentwicklung führen, dürfte alleine aber voraussichtlich nicht ausreichen, eine nachhaltige Wendung zum Besseren zu bewirken. Eine Herabsetzung der Kreditnominalbeträge der staatlichen Hilfszahlungen könnte daher seitens der politisch Verantwortlichen in Europa in Erwägung gezogen werden.

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