EZB – (Noch) keine weitere Lockerung der Geldpolitik

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat auf der heutigen Ratssitzung ihren geldpolitischen Kurs bestätigt. Zwar hat sie ihre Leitzinsen nicht weiter gesenkt, doch das war auch nicht erwartet worden. Angesichts etwas verbesserter Konjunkturdaten – auch im Süden der Eurozone – wäre eine erneute Zinssenkung heute auch eine faustdicke Überraschung gewesen.

Eine erste Analyse des Kommuniqués und der Aussagen Draghis im Rahmen der Pressenkonferenz zeigt, dass die EZB gewillt ist, an ihrer expansiven Geldpolitik festzuhalten. Ein Anziehen der monetären Zügel steht bis auf weiteres nicht auf der geldpolitischen Agenda, weitere Lockerungen sind zwar nicht immanent, bleiben aber möglich. Insbesondere, wenn sich die Stimmung in der Schuldenkrise oder auf Seiten der Konjunktur wieder deutlicher verschlechtern würde, hätte die EZB durchaus noch Pfeile in ihrem Köcher. Wenn sich die Überschussliquidität im Eurosystem weiter reduzieren sollte und sich dadurch der Trend zu steigenden Geldmarktzinsen beschleunigte, könnte eine weitere Senkung des Refinanzierungssatzes auf dann 0,25% ein Mittel sein, dieser aus Sicht der EZB unwillkommenen Entwicklung zu begegnen. Sollte die Schuldenkrise, möglicherweise im Herbst bei einer Häufung schlechter Nachrichten zur Verschuldungslage der Problemstaaten, wieder eskalieren, wären auch Ankäufe von Staatsanleihen aller EWU-Staaten nicht auszuschließen. Auch einem möglichen „Überschwappen“ eines deutlicheren Renditeanstiegs in den Vereinigten Staaten auf die Eurozone könnte so begegnet werden.

Hatte vor vier Wochen noch das Thema „forward guidance“ einige Wellen geschlagen, so hat es hierzu auf der heutigen Pressekonferenz keine neuen Erkenntnisse gegeben. Präzisierungen, wie lange das Zinsniveau auf dem derzeitig vorherrschenden, niedrigen (oder einem noch niedrigeren) Niveau bleiben wird, sind ebenso wenig gegeben worden wie genauere Informationen darüber, welche konkreten Daten und welche Schwellen für die EZB bei ihren Überlegungen relevant sind. Auch konkretere Hinweise zur möglichen Veröffentlichung der Protokolle von EZB-Ratssitzungen, über die in den vergangenen Tagen diskutiert wurde, gab es heute (vorerst) nicht. Allerdings wird es nach Aussage von Draghi im Herbst ein Konzept der EZB geben.

Wenig Neues also aus dem Eurotower. Die Entwicklung der EZB von einer Bundesbank-geprägten zu einer angelsächsisch orientierten, pragmatischen Zentralbank dürfte sich somit fortsetzen.

 

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