Die neue Strategie der Bank of England

Die Bank of England hat offiziell die Einführung der sogenannten “forward guidance” angekündigt. Mit diesem Schritt tritt sie in die Fußstapfen der Fed und der EZB. Im Unterschied zu diesen beiden Vorreitern, hat sich die BoE allerdings auf sehr spezifische Konditionen und Zielwerte festgelegt. So wird das Zinsniveau vor allem von der Arbeitslosenquote abhängen, die unter 7% fallen muss, bevor die Bank eine Erhöhung der Zinsen in Betracht zieht. Diese Festschreibung der Zinsen ist allerdings an drei Konditionen gebunden, deren Verletzung eine erneute Überprüfung der Strategie (eventuell sogar eine Anhebung des Leitzinses) mit sich bringen würde: (1) Die Inflationsprojektionen der Bank müssen auf Sicht von 18-24 Monaten weiterhin von einem Inflationsniveau von 2% (Inflationsziel) +/- 0,5% ausgehen. (2) Mittelfristige Inflationserwartungen müssen stabil bleiben. (3) Das Financial Policy Committee (FPC) muss bei seiner Einschätzung bleiben, dass die Politik der BoE nicht die Stabilität der Finanzmärkte gefährdet. Eine Verletzung einer (oder mehrerer) dieser Konditionen würde zumindest dazu führen, dass die Bank ihre geldpolitische Strategie neu überdenken muss. Sie würde aber nicht automatisch zu einer Anhebung der Zinsen führen, ebensowenig wie bei einer Reduktion der Arbeitslosenquote unter die 7%-Marke. In allen Fällen bleibt es immer noch dem MPC überlassen, die finale Entscheidung über das Zinsniveau zu treffen.

Somit bleibt dem MPC ein hoher Grad an geldpolitischer Flexibilität erhalten. Nicht nur, dass es keine festgeschriebene Reaktionsfunktion gibt, die  zu einer Anhebung der Zinsen führen könnte. Es ist auch zu beachten, dass die oben aufgelisteten Konditionen reichlich Raum für Interpretation lassen. Dennoch  erhöht die neue Strategie der BoE ohne Zweifel die Transparenz und, zumindest für den Moment, die Vorhersehbarkeit. Denn in der momentanen Lage kann kein Zweifel daran bestehen, dass der Leitzins auf Sicht von mehren Jahren niedrig bleiben wird. Die Einführung von “forward guidance” wurde vom Mark gelassen aufgenommen. Zwar hat das Pfund profitieren können, aber der heutige Morgen zeigt, dass diese Gewinne wohl kaum der Beginn eines neuen Trends sein werden. Und auch der Bondmarkt übte sich in Zurückhaltung, was aber, angesichts der Tatsache, dass auch im Vorfeld kaum Zweifel daran herrschten, dass die BoE die Zinsen auf lange Sicht bei 0,5% belassen würde, kaum überrascht.

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