Japan enttäuscht hohe Wachstumserwartungen

Japans Wirtschaftswachstum war im zweiten Quartal 2013 zwar positiv (+2,6% Q/Q, annualisiert). Es hat aber die hohen Erwartungen nicht erfüllt, die nach dem guten Wachstum im ersten Quartal (knapp +4%)  entstanden waren und genährt wurden von der expansiven Geld- und Fiskalpolitik.

Der private Verbrauch und die Staatsausgaben nahmen im Frühjahr mit +3,1 bzw. +3,8 Prozent sehr stark zu, und auch die Exporte haben wie erwartet und gestützt vom schwächeren Yen zum japanischen Wirtschaftswachstum beigetragen. Der Wohnungsbau war aber schwach, und mehr noch die privaten Ausrüstungsinvestitionen, die das sechste Quartal in Folge rückläufig waren. Die Unternehmen sind noch nicht wieder hinreichend optimistisch, um nachhaltig zu investieren. Der letzte Tankan-Bericht der Notenbank belegt, dass sich die Stimmung der Unternehmen nur langsam bessert und größerer Optimismus vonnöten ist, um den Aufschwung unabhängig von expansiven Konjunkturmaßnahmen der Regierung und der Notenbank zu machen.

Andererseits scheint sich der Stimmungsaufschwung bei den Konsumenten, der im ersten Halbjahr erkennbar war, schon wieder zu legen. Viele Privathaushalte haben wohl Lohn- und Einkommenserhöhungen, die durch die expansive Politik entstehen sollen, vorweggenommen. Nun sehen sie viele Preise steigen, vor allem jene für importierte Energie.

Wir gehen zwar weiter von einer relativ guten Wachstumsdynamik in Japan im zweiten Halbjahr aus und rechnen auch weiter für dieses und nächstes Jahr mit einem Wachstum von jeweils knapp 2 Prozent. Die jüngsten Daten zeigen aber, dass der Aufschwung keineswegs ein „Selbstläufer“ ist und viele Risiken lauern.

Das größte Risiko ist, dass die geplante Konsumsteueranhebung im nächsten April (von 5 auf 8%) den privaten Verbrauch abstürzen lässt, so dass dann auch die Unternehmen nervös werden und sich der Investitionsattentismus verschärfen könnte. Die letzte Anhebung der Konsumsteuer vor 16 Jahren war mit ein Faktor für die darauffolgende Rezession. Die Regierung betont daher immer häufiger, dass der Termin der Steueranhebung noch nicht endgültig fest stehe und – abhängig vom Wachstum der nächsten Quartale – auch verschoben werden könne. Sollte dies tatsächlich geschehen, würde es die Wirtschaft kurzfristig entlasten. Es wäre aber kein gutes Signal für die Märkte, denn es würde suggerieren, dass die gesamte Aufschwungsdynamik derzeit nur ein Ergebnis von künstlichen und nicht nachhaltigen Impulsen wäre und beim ersten „Windstoß“ wieder in sich zusammenfällt. Dabei braucht Japan ein verlässliches Zeichen dafür, dass die Strukturschwächen endlich angegangen werden. Dazu gehört auch, dass die Konsolidierung des Staatshaushalts nicht auf ewig aufgeschoben wird.

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