Neue Zeitrechnung am Rentenmarkt

Seit dem 1. Mai 2013  zieht am Rentenmarkt eine neue Zeitrechnung herauf. Seither wird hier die Zeit nicht mehr relativ zum Beginn der Finanzkrise 2007 gemessen, sondern relativ zum Ausstieg der weltführenden Zentralbanken aus ihren „unorthodoxen“ Maßnahmen, ergriffen zur Bekämpfung einer ganzen „Krisenphalanx“, die innerhalb von mittlerweile mehr als sechs Jahren in immer neuen Wellen über die Weltwirtschaft hereingebrochen war.

Speziell am 1. Mai veröffentlichte die US-Notenbank ein neues Kommuniqué nach einem zweitätigen turnusgemäßen Treffen ihres geldpolitischen Rates, und dieses Kommuniqué hat am Rentenmarkt für erheblichen Wirbel gesorgt. Erstmalig wurde hier öffentlich eingestanden, dass die für die US-Geldpolitik Verantwortlichen konkret über eine Reduzierung ihrer monatlichen Anleihekäufe nachdenken, die ja in den zurückliegenden Jahren eine enorme Stütze des Weltfinanzmarktes gewesen sind.

Die Reaktion des Rentenmarktes auf diese Mitteilung ist einschneidend gewesen. Seither wirkt der Kapitalmarkt weltweit angeschlagen. Auch der deutsche Rentenmarkt ist getroffen worden. So haben die Renditen zehn Jahre laufender deutscher Bundesanleihen seit dem 1. Mai um bislang per saldo gut 50 Basispunkte zugelegt. Zwischenzeitlich waren es sogar 65 Basispunkte gewesen, bevor gegen Ende Juni eine leichte Kurskorrektur einsetzte. Zu Hilfe geeilt ist den Marktakteuren in Europa in den zurückliegenden Wochen Mario Draghi. Prägend hat hier die sogenannte „Forward Guidance“ gewirkt, durch ihn am 4. Juli dieses Jahres im Namen des EZB-Rates verkündet: der Versuch, mittels des Quasi-Versprechens, die Leitzinsen auf unbestimmte Zeit niedrig zu halten, die Renditen am langen Ende der Euro-Kurve zu zähmen.

Nach unserem Dafürhalten wird der Rentenmarkt im Euroraum in den kommenden Monaten im Spannungsfeld zwischen „Exit“ der US-Notenbank und „Forward Guidance“ der EZB verharren. Die Renditen dürften schwankungsanfällig bleiben und im Trend noch einmal sinken, bevor sie wohl dann leicht ansteigen werden.

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