Ungarn feiert die wiedergewonnene Freiheit vom IWF

In den Augen von Ministerpräsident Orban stellt Ungarn zwar den künftigen Wachstumsmotor im Osten Europas dar. Die jüngsten Wachstumszahlen sprechen mit einem Plus von 0,1% (Q/Q) allerdings eine andere Sprache. Zugesetzt hat dem Forint in den letzten Tagen außerdem die Veröffentlichung der Inflationsdaten, ging das Preisniveau im Juli doch unerwartet um 0,3% (M/M) zurück. Die Zentralbank dürfte sich angesichts dieser Daten zwar in der Notwendigkeit ihres Mitte vergangenen Jahres eingeleiteten Expansionskurses bestätigt sehen. Das schwache Wachstum zeigt jedoch auch, wie begrenzt der Einfluss der Notenbank bislang ist.

Es darf bezweifelt werden, dass Ministerpräsident Orban – die im Frühjahr 2014 anstehenden Parlamentswahlen vor Augen – abwarten wird, wann und ob die Leitzinssenkungen endlich Früchte tragen. Vielmehr ist mit fiskalpolitischen Stützungsmaßnahmen und Wahlgeschenken zu rechnen. Der Internationale Währungsfonds wird Orban hiervon jedenfalls nicht (mehr) abhalten können. So hat die Regierung die verbliebenen Verbindlichkeiten gegenüber dem IWF jüngst vorzeitig zurückbezahlt und die „wiedergewonnene Freiheit“ gefeiert. (Wofür sie diese Freiheit wohl einsetzen wird?)

An der seit Jahresanfang zu beobachtenden, für Euro-Forint scheinbar magischen Anziehungskraft der Marke von 300 HUF dürften die Diskussion über entsprechende Maßnahmen zwar vorerst nichts ändern. Für den Fall größerer, nicht gegenfinanzierter Ausgabenprogramme könnten die Staatsfinanzen Ungarns jedoch bald wieder in den Fokus der Märkte rücken.

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