Stimmungsumschwung in den Emerging Markets bietet mittelfristig Chancen

Die rekordniedrigen Leitzinsen der weltweit größten Notenbanken haben den Risikoappetit der Anleger in den vergangenen Jahren steigen lassen. Neben Aktien und Rohstoffen profitierten insbesondere Emerging Market-Anlagen von dieser Entwicklung. Nachdem jedoch US-Notenbank Chef Bernanke Mitte April den Anfang vom Ende der ultralockeren Geldpolitik in Aussicht stellte, kam es an diesen Märkten Zug um Zug zu Korrekturen. Die erste Phase der Verunsicherung begann mit dem massiven Einbruch der Goldnotierungen Mitte April. Es folgten darauf die Kapriolen japanischer Staatsanleihen, und auch klassische Rohstoffwährungen wie der australische Dollar kamen massiv unter Druck.

In den letzten Tagen kamen auch die Anleihen- und Aktienmärkte der Emerging Markets unter Druck. Der starke Renditeanstieg in den USA von rund 1,6% auf 2,8% innerhalb der vergangenen vier Monate macht Anlagen in heimischen Rentenpapieren wieder zunehmend attraktiv und führte dementsprechend zu einer Aufwertung des US-Dollars gegenüber den Währungen verschiedener Schwellenländer. Diese werteten teils deutlich ab (z.B. indische Rupie, brasilianischer Real), gleichzeitig sprangen die lokalen Anleihenrenditen deutlich an. Neben den Verwerfungen an den Finanzmärkten sorgten zusätzlich die Aufstände in Ägypten und Unruhen in Brasilien für Unsicherheit.

Viele Marktteilnehmer gehen nun davon aus, dass die Manie um die Schwellenländer dem Ende zugeht. Schließlich haben die Aktienmärkte in den BRIC-Staaten schon seit geraumer Zeit enttäuscht. Die Leitindizes dieser vier Länder Brasilien, Russland, Indien und China laufen der Performance der Indizes in den USA oder Deutschland schon seit drei Jahren hinterher und präsentieren sich in Fondsmanagerumfragen inzwischen häufig als unbeliebteste Anlagenkategorie.

Auch die EM-Anleihenmärkte leiden. Seit dem Bernanke-Statement im April fiel z.B. der breite JPM Emerging Markets Bond Index um elf Prozent. Investoren dürften in Zukunft vorsichtiger agieren, weil sie in den vergangenen Wochen die schmerzhafte Erfahrung gemacht haben, dass sie über ungehedgte Positionen bei lokalen Währungsanleihen und –aktien über steigende Renditen und Kursverluste und einer gleichzeitigen Abwertung der Währung doppelt bestraft werden.

Geduldige Anleger, die ihr Geld auf Sicht der nächsten Jahre anlegen möchten, dürften aus unserer Sicht nun ausreichend Chancen finden. Die Aktienmärkte in den Emerging Marktes sind sehr günstig bewertet. Gemessen an einschlägigen Bewertungsparametern wie Kurs-Gewinn-Verhältnis oder Dividendenrendite liegt die Bewertung inzwischen deutlich tiefer als z.B. beim S&P 500 Index. Falls die Bewertungen noch weiter sinken sollten, dürften auch die Staatsfonds und Pensionskassen wieder zurückkehren. Deutsche Anleger sollten jedoch nicht blind einen Leitindex oder einen zugehörigen ETF kaufen. Diese sind üblicherweise durch eine sehr hohe Gewichtung von Finanzwerten, Energie- und Rohstofftiteln gekennzeichnet und spiegeln somit nicht die klassische Schwellenlandstory („Verbesserung des Lebensstandards“). Zudem fehlt es in einigen Ländern weiterhin an einer guten Corporate Governance (z.B. Russland). Einzelwerte oder Branchenpicks erscheinen aussichtsreicher, z.B. aus den Sektoren Gesundheit, Konsum oder Luxusgüter. So eine Strategie kann auch mit deutschen exportstarken Einzelwerten repliziert werden.

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