Rohöl: Erhöhte geopolitische Risiken

Die Wahrscheinlichkeit einer militärischen Reaktion auf den mutmaßlichen Giftgaseinsatz in Syrien hat sich in den letzten Tagen erhöht. Medienberichten zufolge prüft der US-Präsident einen bis zu zwei Tage andauernden Militärschlag. Auch Großbritannien bereitet sich auf eine militärische Intervention vor. Für die Regierungsoffiziellen in London und Washington bestehen ohnehin keine Zweifel daran, dass das Assad-Regime vergangene Woche im syrischen Bürgerkrieg chemische Waffen eingesetzt hat. Die Waffeninspekteure der Vereinten Nationen können derweil ihre Arbeit wegen erhöhter Sicherheitsrisiken in Damaskus nicht fortsetzen.

Der Rohölpreis wurde in den letzten Handelsstunden durch die Zuspitzung in Syrien signifikant nach oben getrieben. Bisher hat die Notierung der Rohölsorte Brent eher verhalten auf die Syrien-Krise reagiert, was daran liegt, dass Syrien selbst kein wichtiger Rohölproduzent ist. Mittlerweile bestehen aber erhöhte Unsicherheiten darüber, ob ein mögliches militärisches Eingreifen der USA und Großbritanniens nicht zu einem Flächenbrand im Nahen Osten führen könnte. Die Region stellt mehr als 30% der weltweiten Rohölförderung. Der globale Rohölmarkt bekommt aktuell wieder einmal vorgeführt, welche Auswirkungen politische Instabilität in der Region auf die Angebotsseite haben kann.

Wir weisen schon seit einigen Monaten darauf hin, dass die geopolitischen Risiken vom Kapitalmarkt unterschätzt werden. Das wird sich nun durch den Syrien-Konflikt schlagartig ändern. Die gestiegene Wahrscheinlichkeit eines Militärschlags gegen Syrien wird zu einer steigenden Rohölrisikoprämie führen. Vor dem Hintergrund der geopolitischen Zuspitzung erwarten wir, dass die von uns prognostizierte Jahresendpreismarke von 115 US-Dollar kurzfristig übertroffen wird.

Dem geopolitischen Risikoaufschlag steht mit Blick auf das Jahresende allerdings die auskömmliche globale Rohöl-Versorgungslage (sprudelnde US-Schieferölproduktion und solide Lagerbestände innerhalb der OECD) gegenüber. Aufgrund dieser preishemmend wirkenden Faktoren werden wir unsere Jahresendprognose unverändert belassen. Bei einem Rohölpreis von 114 USD (unsere 12-Monats-Prognose) ist unseres Erachtens auch ein Gutteil der geopolitischen Risiken eskomptiert. Eine weitere Eskalation des Syrien-Konfliktes oder ein länger andauerndes militärisches Eingreifen der USA haben wir in unserer aktuellen Prognose nicht berücksichtigt.

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