Mario Draghi hat nicht viel Neues im Gepäck

Die gestrige EZB-Pressekonferenz hat die Kenntnisse der Wertpapierhändler über das zukünftige Agieren der Notenbank nicht entscheidend vorangebracht. Zentralbankpräsident Draghi hat weder seine „Guidance“ präzisiert in Hinsicht darauf, wie lange noch sich die Leitzinsen im Euro-Raum in so niedrigen Gefilden aufhalten werden wie derzeit. Noch hat er spezifiziert, ab wann seine Institution Protokolle von EZB-Ratssitzungen zu veröffentlichen gedenkt. In diesem Zusammenhang hat Draghi dezidiert das Wort „Protokoll“ vermieden und stattdessen das Wort „Rechenschaft“ („account“) verwendet. Das Design derartiger Berichte werde sich eindeutig von demjenigen unterscheiden, das die Marktteilnehmer beispielsweise von der US-Notenbank gewohnt sind. Die Unabhängigkeit der einzelnen Ratsmitglieder gelte es zu schützen.

Die Leitzinsen im Euro-Raum waren auf der Ratssitzung unangetastet geblieben. Ein etwas größeres Thema auf der nachfolgenden Pressekonferenz war der säkulare Rückgang der Überschussliquidität des Geschäftsbankensystems im Euro-Raum, zu beobachten seit mehreren Monaten. Diese Entwicklung verursacht Draghi keine schlaflosen Nächte. Indes machte der Zentralbankpräsident klar, dass seine Institution geeignet reagieren werde, sollte der Rückgang der Liquidität zu irgendeinem Zeitpunkt in der Zukunft dem Euro-Raum schaden.

Sorgen bereiten Draghi hingegen nach dessen eigener Aussage die im Trend steigenden Geldmarktsätze (und – wahrscheinlich – auch die steigenden Kapitalmarktrenditen). In diesem Zusammenhang fiel das Wort „grün“: Draghi brachte seine Einschätzung zum Ausdruck, dass der Aufschwung im Währungsgebiet noch zu „grün“ – mithin: noch zu unausgereift –  sei, um höhere Sätze zu vertragen. Jedes nur erdenkliche geldpolitische Instrument werde daraufhin überprüft, inwiefern es geeignet sei, die beschriebene Entwicklung zu bekämpfen. Insofern fühlen wir uns im DZ BANK Research in unserer Meinung bestärkt, dass auch eine nochmalige Leitzinssenkung nicht aus der Welt ist. Ansonsten könnte die Notenbank auch einen Einjahres-Festsatztender kreieren – zur Unterfütterung der „Forward Guidance“.

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