China: „Mini-Stimulus“ hat Konjunkturentwicklung stabilisiert

Monatelang schwächelte die chinesische Wirtschaft – die jüngsten Konjunkturdaten für den Monat August zeigen nun aber, dass sich die Wachstumsentwicklung in den vergangenen Wochen stabilisiert hat: Die Industrieproduktion ist erstmals in diesem Jahr wieder um mehr als 10 Prozent (ggü. Vorjahr) gestiegen und folgt damit der deutlichen Stimmungsaufhellung, die die Einkaufsmanagerindizes zuletzt angezeigt haben. Für das laufende Quartal liegt das Wachstum in der chinesischen Industrie nun wieder sichtbar höher als noch im Vorquartal. Damit deutet sich auch eine leichte Wachstumsbeschleunigung der Gesamtwirtschaft im dritten Quartal an.

Der konjunkturelle Umschwung kam recht plötzlich. Umfragen zu den Auftragseingängen, insbesondere aus dem Ausland, hatten sich bis in den Frühsommer hinein noch äußerst schwach gezeigt. Die chinesischen Exporte konnten sich in den vergangenen zwei Monaten zwar wieder etwas beleben, sicherlich nicht zuletzt dank der etwas besseren Entwicklung hier im Euroraum. In der Quartalssicht jedoch bleibt die Wachstumsdynamik der chinesischen Exportkonjunktur in diesem Sommer weiterhin verhalten.

Die entscheidenden Impulse sind wohl eher aus dem Inland gekommen und dürften auf Maßnahmen der chinesischen Regierung zurückgehen. Noch im Juli hatte Peking neben Steuererleichterungen für kleinere Unternehmen auch höhere Ausgaben für Infrastrukturmaßnahmen auf den Weg gebracht.

Die neue chinesische Regierung ist zu Beginn dieses Jahres mit einem überraschend ausgeprägten Reformeifer angetreten. Der jüngste Rückgriff auf altbewährte Konjunkturspritzen, wenngleich auch nur in geringem Umfang, stellt einen gewissen Rückschlag dar. Hieß es in den vergangenen Monaten aus Peking noch, man sei bereit, ein geringeres Wachstum zugunsten notwendiger Strukturreformen in Kauf zu nehmen, so wird seit einigen Wochen eher betont, dass das Wachstumsziel von 7,5 Prozent in diesem Jahr auf jeden Fall erreicht werden kann – und auch soll, notfalls offenbar auch wieder mit Fiskalstimuli. Kurzfristig bedeutet dies, dass unsere Prognose für dieses Jahr gut nach unten abgesichert ist. Wir rechnen in diesem Jahr mit einem BIP-Wachstum von 7,5 Prozent. Längerfristig ist die wieder unklarere wirtschaftspolitische Ausrichtung Pekings jedoch eher negativ zu werten.

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