Großbritannien: steigende Zinsen trotz „forward guidance“

Die Bank of England (BoE) hatte Anfang August ihre sogenannte „forward guidance“ eingeführt, in der Hoffnung, dem Markt damit ein unmissverständliches Signal zu senden, dass sie die Zinsen in Großbritannien auf Sicht von mindestens zwei Jahren auf historischen Tiefstständen belassen wird. Frühestens Mitte 2015,  wahrscheinlich aber erst gegen Ende 2016, würde die Arbeitslosenquote die kritische Marke von 7% unterschreiten können, so die Notenbank. Dennoch ist die zweijährige Gilt-Rendite seit Anfang August von 0,30% auf 0,50% gestiegen, während die zehnjährige Rendite mittlerweile bei über 3% liegt. Letzteres wird zwar zu großen Teilen dem Anstieg der US-Treasury-Renditen zugeschrieben, hat aber in den vergangenen Wochen durchaus eine eigene Dynamik entwickelt. Der 10-Jahres-Spread Großbritannien – USA steht mit 12 Basispunkten nunmehr auf seinen höchsten Ständen seit Februar 2013. Der Anstieg der Renditen in Großbritannien spiegelt zwar ganz klar die deutlich verbesserten Wirtschaftsdaten der vergangenen Wochen wider, stellt aber dennoch ein potentielles Problem für die Bank of England dar. Ein zu schneller Anstieg der Renditen, vor allem am kurzen Ende der Zinskurve, könnte die wirtschaftliche Erholung beenden, noch bevor sie richtig begonnen hat. Zwar ist nicht auszuschließen, dass auch die britische Notenbank von der derzeitigen Stärke der Wirtschaft überrascht ist und sie daher gewillt ist, einen gewissen Anstieg der Renditen zu tolerieren. Dennoch besteht unseres Erachtens das Risiko, dass sie weitere geldpolitische Maßnahmen in Betracht ziehen wird, um den Markt wieder „auf Linie“ zu bringen. Vor allem für den neuen Gouverneur Mark Carney steht viel auf dem Spiel: Die Einführung von „forward guidance“ war sein großer Wurf, er hat demnach ein großes Interesse daran, diese Strategie zum Erfolg zu führen. Während wir vorerst einen positiven Ausblick für Sterling beibehalten, empfehlen wir Investoren, dennoch sehr genau zu verfolgen, wie sich die britischen Währungshüter zu dem Zinsanstieg äußern.

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