Der US-Dollar im Haushaltsstreit: das Dahinsiechen des Sicheren Hafens

Die deutschen Bundestagswahlen haben wir (je nach parteipolitischem Geschmack) mehr oder weniger gut hinter uns gebracht, aber schon lodert der nächste innenpolitische Krisenherd für Euro-Dollar in Form des US-Haushaltsstreits. Die Nebenwirkungen des Konfrontationskurses von US-Regierung und Opposition sowie der offen zur Schau gestellte fehlende Konsenswille sind zwar traurig, aber keinesfalls neu. Sowohl im August 2011 (Anhebung der Schuldenobergrenze) als auch im Dezember 2012 (Fiscal Cliff) war es erst im letzten Moment geglückt, eine Einigung zwischen den Parteien herbeizuführen. Das US-Budgetdefizit als solches war über viele Jahre hinweg ein klassischer Belastungsfaktor für die US-Währung. Ein akut eskalierender Schuldenstreit führte jedoch zu den angesprochenen Zeitpunkten zur paradoxen Flucht in den vermeintlich Sicheren Hafen US-Dollar. Der Schlüssel zu dieser wenig intuitiven Dollar-Reaktion liegt im US-Rentenmarkt, der als Zufluchtsort vor der politischen Unsicherheit gesucht war. Die Aussicht auf ein Tapering der Fed und der damit verbundene steile Renditeanstieg seit Mai haben zwischenzeitlich aber viel von der einstigen Unfehlbarkeit des US-Rentenmarktes genommen. Es ist nicht mehr selbstverständlich, dass die Kurse an diesem Markt nur den Weg nach oben kennen. Es sollte also beim Haushaltsstreit im aktuellen Umfeld auch nicht mehr als ganz so selbstverständlich betrachtet werden, dass der US-Dollar davon nur profitieren können wird. Dass die US-Währung im Zuge dieser Unsicherheit nicht mehr zwingend positiv als Sicherer Hafen profitieren kann, heißt aber nicht im Umkehrschluss, dass sie unter der Situation leiden wird. Dafür ist dieser Strukturwandel noch nicht weit genug vollzogen. Vor allem aber gibt es von geldpolitischer Seite Argumente, die gegen einen als Krisenprofiteur aufwertenden Euro sprechen, schließlich naht die nächste EZB-Sitzung und mit ihr die Spekulationen auf einen weiteren Langfristtender mit großen Schritten.

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