Britische Konjunktur setzt lebhafte Erholung fort

Konjunkturelle Hoffnungsschimmer waren in Großbritannien lange Zeit Mangelware – seit einigen Monaten hellt sich das Bild aber deutlich auf. Wie das britische Office for National Statistics (ONS) heute Vormittag berichtete, hat sich der aktuelle Aufschwung der britischen Wirtschaft auch im zurückliegenden dritten Quartal fortgesetzt und gefestigt. Die Wirtschaftsleistung stieg nach dieser ersten, vorläufigen Schätzung um 0,8 Prozent gegenüber dem Vorquartal – das ist der höchste Wert seit über drei Jahren. Bereits in der ersten Jahreshälfte hatte die britische Wirtschaft mit kräftigen Wachstumsraten und einer deutlichen Stimmungsaufhellung überrascht – getragen vor allem vom Konsum und höheren Bauinvestitionen.

Nachfrageseitige Details gibt das ONS mit dieser Erstschätzung noch nicht bekannt. Die bislang vorliegenden Details deuten aber auf eine Fortsetzung der robusten Konsumkonjunktur hin. Die Bautätigkeit hat sich sogar weiter beschleunigt: Die Wertschöpfung im Bausektor stieg mit 2,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal so stark wie seit 2010 nicht mehr, als die Vorbereitungen auf die Olympiade in London für eine Sonderkonjunktur am Bau sorgten. Auch der für die britische Wirtschaft wichtige Dienstleistungsbereich hat während der Sommermonate erneut einen hohen Beitrag zum Wirtschaftswachstum geleistet, wobei vor allem die Finanzdienstleister und der Immobilienbereich hohe Zuwächse verzeichnet haben.

Die nun gemeldeten Wachstumszahlen bestätigen den positiven Ausblick für die britische Wirtschaft, der sich in den vergangenen Monaten immer mehr abgezeichnet hat. Sie bestätigen auch unser Bild von einem Aufschwung in Großbritannien, der vor allem vom Konsum und vom Wohnungsbau getragen wird und dabei maßgebliche Impulse von der deutlich besseren Entwicklung am Häusermarkt erhält. Bereits seit Ende letzten Jahres steigen die Hauspreise landesweit wieder stärker – im Frühjahr erhielt diese Dynamik zusätzlichen Schwung durch das von der Regierung auf den Weg gebrachte „Help-to-Buy“-Programm, das Eigenkapitalhilfen für den Hauskauf, z. Zt ausschließlich neuer Objekte, gewährt. Dies hat sich positiv auf die Bautätigkeit ausgewirkt, aber auch für einen Preisschub gesorgt.

Dank dieser staatlichen Initiative wird die britische Wirtschaft in diesem und im kommenden Jahr deutlich kräftiger wachsen, als dies noch vor einigen Monaten zu erwarten war. Wir haben daher vor einigen Wochen unsere Wachstumsprognose erhöht und rechnen mit knapp 1 ½ Prozent BIP-Wachstum in diesem und 2 Prozent im kommenden Jahr. Allerdings sehen wir das „Help-to-Buy“-Programm äußerst kritisch, da es unserer Ansicht nach eine „Rolle rückwärts“ hin zu alten Fehlern darstellt. Die privaten Haushalte werden sich wieder höher verschulden, die Hauspreise wieder stärker steigen. Der dringend notwendige Schuldenabbau der Privathaushalte und eine – zumindest graduelle – Umstrukturierung der britischen Wirtschaft, weg vom hohen Konsum- und Dienstleistungsanteil hin zu einem stärkeren Gewicht von Industrie und Export, bleibt dabei erst einmal auf der Strecke.

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