Aktienmärkte: Solange die Musik spielt, müssen Sie tanzen

An den Aktienmärkten herrscht weiterhin Partystimmung. Der DAX liegt in diesem Jahr 18% im Plus, der MDAX legte seit Jahresbeginn sogar 34% zu. Mit der Vertagung des Budgetstreits und der Debatte über der Schuldenobergrenze in den USA wurden die letzten beiden Belastungsfaktoren beiseite geräumt, die in den vergangenen Wochen die Börsen noch belastet haben. In Europa zeigen die rückläufigen Risikoaufschläge bei spanischen oder italienischen Staatsanleihen eine deutliche Entspannung rund um die Eurokrise an. Gleichzeitig stabilisiert sich wie erwartet weltweit die Konjunktur. In den kommenden Monaten dürfte es sogar noch besser werden: Wegen des zwischenzeitlichen „shut downs“ des US-Verwaltungsapparates wird sich unseres Erachtens der Beginn des Taperings der US-Notenbank in den März 2014 verschieben. Warum es in den kommenden Wochen zu Enttäuschungen am Aktienmarkt kommen sollte, ist momentan schwer auszumalen. In der laufenden Berichtssaison treten die Gewinne zwar mehrheitlich auf der Stelle, auf der anderen Seite sind kaum herbe Enttäuschungen zu erwarten. Eine nahende Korrektur vorherzusagen, fällt damit schwer.

Trotzdem sollten intelligente Anleger die Sache nüchtern betrachten. Der Optimismus der Marktteilnehmer ist heute sehr hoch, besonders nachdem der DAX die vermeintlich psychologisch wichtige Marke von 9.000 Punkten überschritten hat. Viele Privatanleger und Fondsmanager sind unterinvestiert und könnten zum Jahresende hin Bestände aufstocken, weil sie Sorge haben, einen weiteren Aufschwung zu verpassen. Zudem könnte es bald zu bekannten „Window-Dressing“ kommen, bei dem gut gelaufene Titel nachgekauft werden um die Performance optisch aufzubessern.

Alles in allem sprechen diese Argumente für eine Jahresendrallye an den Börsen. Auf der anderen Seite sollte inzwischen jedem Anleger klar sein, dass ein Großteil der bisherigen Performance am Aktienmarkt auf das Konto der ultra-lockeren Geldpolitik verschiedener Notenbanken geht und nicht auf eine dynamische Gewinnentwicklung der Unternehmen. Zudem sind Aktien nicht mehr generell günstig (höchstens im Vergleich zu den überteuerten Anleihemärkten). Es gibt Märkte, die noch vergleichsweise niedrig bewertet sind. Dazu gehören die Peripherie Europas, einige Emerging Marktes, aber auch der DAX. Märkte wie Japan, die Schweiz und die USA hingegen sind im historischen Vergleich (z.B. auf Basis unseres Graham/Shiller-PEs) überbewertet.

Strategisch – also mit Blick auf 2014/15 – halten wir unverändert an unserem Bild fest: Danach steht der Europa als Anlagemarkt vor der Wiederentdeckung. Hier ist die Stimmung noch schlecht und die Kurse und Unternehmensgewinne stehen noch verhältnismäßig niedrig. Auch Deutschland (der DAX) wird sich 2014 erneut gut entwickeln, weil die Konjunktur weltweit anzieht und damit auch in den wichtigsten europäischen Exportmärkten. Ein Überschießen unserer aktuellen Prognose von 9.600 Punkten im DAX erscheint im nächsten Jahr durchaus möglich. Kurzfristig sind die Kurse den Unternehmensgewinnen jedoch weit vorweg gelaufen und dürften erst im Verlauf des kommenden Jahres wieder Anschluss finden. Zudem scheint zu viel Euphorie an den Märkten, was Anleger kurzfristig vorsichtig stimmen sollte. Wer einen langfristigen Anlagehorizont verfolgt und getreu unserer Empfehlungen kontinuierlich die Aktienquote über die letzten Jahre hinweg aufgestockt hat, sollte nun so lange dabei bleiben, wie die Musik noch spielt. Neuinvestoren sollten auf Rückschläge warten, die in diesem Jahr aber zunehmend unwahrscheinlicher werden.

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