Schnelle Rückkehr der iranischen Export-Barrel ist unwahrscheinlich!

Auf dem höchst „nachrichtenanfälligen“ Rohölmarkt herrscht selten Ruhe. Aber eine solche Betriebsamkeit wie in den letzten Wochen steht ebenfalls nur selten auf der fossilen Agenda. Dabei kam die preisbewegende Nachrichtenflut aus fast allen rohölrelevanten Politik- und Marktbereichen.

So löste der US-amerikanische Eiertanz um die Anhebung der Verschuldungsobergrenze nebst 14-tägigem Government Shutdown eine wachsende Besorgnis um die US-Konjunktur, die Weltwirtschaftsdynamik und die Rohölnachfrage aus. Auch seitens der Geopolitik gab es mit dem amerikanischen „Fast-Militärschlag“ in Syrien, den massiven Arbeitsprotesten in Libyen und der jüngsten Gewalteskalation im Irak reichlich Impulse, die vom Markt in Preisbewegungen verarbeitet werden mussten.

Elefant im geopolitischen Raum waren aber die jüngsten Entwicklungen in der Iran-Kontroverse. Hier initiierte Irans neuer Staatspräsident, Hassan Rohani, im September eine beispiellose Charme-Offensive, die die Ouvertüre für die am 15./16.10. durchgeführten P5+1+1-Gespräche bildete. Trotz der „substanziellen und vorwärtsgewandten“ Zusammenkunft blieben das wieder breit geöffnete diplomatische Fenster, ein um 180 Grad gewandelter Umgangston und die Terminierung eines Genfer Nachfolgetreffens (7./8.11.) bis dato die einzigen zählbaren Resultate. Mangels objektivierbarer Fakten zeigte sich der Rohölpreis von der „Genf-1-Runde“ wenig beeindruckt und pendelt seither um die 110-USD-Marke.

Jenseits des jüngsten „Rohani-Hypes“ bleibt festzuhalten, dass der Weg zu einer nachhaltigen Lösung des Iran-Konflikts und damit zu einem langfristigen Comeback der iranischen Exportaktivitäten mit Blick auf (a) die abzuarbeitende (diffizile und hochkomplexe) Verhandlungsagenda, (b) das über Jahre gewachsene Misstrauen und (c) die Störfeuer von der „Verhandlungsseitenlinie“ (z.B. Israel, US-Kongress) noch steinig und mit Rückschlägen gepflastert sein dürfte.

Doch selbst wenn die diplomatischen Mühlen schneller mahlen sollten als derzeit absehbar, und die iranischen Export-Barrel infolgedessen zügiger als erwartet auf den Markt zurückkehren könnten, würden wir insbesondere mit Blick auf eine kompensierende Förderkürzung Saudi-Arabiens (gegebenenfalls assistiert von Kuwait und VAE) lediglich mit einem temporären Rohölpreisrücksetzer von 10 USD rechnen.

Ungeachtet eines sich schemenhaft abzeichnenden Kompromisspfades in der Iran-Krise, einer von Rekord zu Rekord eilenden US-Schieferölproduktion und einer derzeit noch formschwachen Weltkonjunktur rechnen wir mit Blick auf die großkalibrigen Angebotsstörungen in beinahe allen Teilen der Rohölwelt, die (im Fall der Fälle) vorhandene Kürzungsflexibilität Saudi-Arabiens und unsere Konjunkturzuversicht für 2014 mit einem auf Sicht der kommenden 12-15 Monate auf 114 USD steigenden Brent-Rohölpreis.

 

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