Japan: Schwächeres Konjunkturtempo im dritten Quartal

Japans Wirtschaft ist im dritten Quartal weiter gewachsen. Mit +0,5% (gegenüber Vorquartal, einfache Rate) war der gesamtwirtschaftliche Zuwachs aber nur noch halb so stark wie im Vorquartal. Auffällig ist, dass der Konsum nach einem insgesamt recht guten ersten Halbjahr nun im dritten Quartal kaum mehr als stagnierte. Die Exporte gingen sogar absolut zurück. Wachstumsmindernd wirkte sich zudem aus, dass es bei den Importen eine deutlich höhere Zuwachsrate gab als im Vorquartal. Gewissermaßen ein Lichtblick in den jüngsten Wachstumszahlen waren die Bruttoinvestitionen, die sich mit einer Zuwachsrate von 2% gegenüber dem Vorquartal (einfache Rate) zuletzt weiter im Aufschwung befanden. Zu einem Gutteil ist dies den staatlichen Investitionsprojekten aus dem Fiskalpaket vom Jahresbeginn zu verdanken.

Trotz der in vielen Bereichen guten Zahlen stellt sich die Frage, ob der konjunkturelle Schwung der „Abenomics“ bald verbraucht sein wird. Immerhin scheinen die japanischen Konsumenten langsam skeptisch zu werden, was sich auch im jüngst so stark gesunkenen Konsumklima zeigt: Das Verbrauchervertrauen ist im Oktober auf den niedrigsten Stand in diesem Jahr gefallen, auch und vor allem weil die Beschäftigungs- und Einkommenserwartungen zuletzt stark gelitten haben.

Der Befürchtung einer vom Konsum ausgehenden Konjunkturflaute ist jedoch entgegenzustellen, dass die Konsumnachfrage im Zuge von Vorzieheffekten im Endquartal 2013 und im ersten Quartal 2014 wieder deutlich anziehen dürfte. Ab ersten April nächsten Jahres gilt nämlich der höhere Konsumsteuersatz von 8% (bislang 5%). Die privaten Haushalte haben daher allen Grund, größere Anschaffungen nun bald vorzunehmen, bevor die höhere Steuerlast greift. Was die Konsumkonjunktur danach betrifft, so hängt vieles davon ab, ob die Unternehmen in der nächsten Lohnrunde Anfang 2014 zu Zugeständnissen bereit sind und die Basisentlohnung anheben. Japans Konsumenten haben in den vergangenen Quartalen sehr auf Einkommenssteigerungen im Zuge der expansiven Geld- und Fiskalpolitik gehofft, was auch mit ein Grund für die gute Konsumdynamik im ersten Halbjahr war. Bislang haben die Basislöhne aber bestenfalls stagniert. Regierung und Notenbank versuchen, die Unternehmen dazu zu ermutigen, die höheren Löhne nun endlich zu gewähren. Ohne nominelle Lohnerhöhungen wäre auch das Inflationsziel der Notenbank von 2%, das für 2015 avisiert ist, in Frage zu stellen.

Nach unserer Prognose wird sich Japans Wachstum im Endquartal aufgrund der von uns für plausibel und wahrscheinlich gehaltenen Vorzieheffekte beim Konsum wieder beschleunigen. Für das Gesamtjahr 2013 ist damit ein Wachstum von knapp 2% zu erwarten. Im nächsten Jahr denken wir, dass eine Beschleunigung bei den privaten Investitionen wahrscheinlich ist, so dass der vorübergehende Konsumrückgang im Sommerhalbjahr, der nach Einführung der höheren Verbrauchsteuer zu erwarten ist, konjunkturell zumindest teilweise kompensiert wird. Die japanische Geldpolitik wird in diesem Umfeld weiter extrem expansiv bleiben.

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