Die Fed und der Arbeitsmarkt

Mit der designierten Nachfolgerin für das Amt des Präsidenten der Federal Reserve, Janet Yellen, rückt eine Frau an die Spitze der US-Notenbank, die der Arbeitsmarktentwicklung große Beachtung schenkt. Zahlreiche Studien Yellens beschäftigen sich mit der Frage der Beschäftigungsquote. Vielfach wird das Argument vorgebracht, die Arbeitslosenquote sei nur deshalb gesunken, weil sich viele potenzielle Arbeitnehmer enttäuscht vom Arbeitsmarkt zurückziehen. Dies spiegele sich in einer niedrigen Partizipationsrate wider. Entscheidend für eine straffere Geldpolitik der Fed ist, ob die zuletzt stark gesunkene Partizipationsrate erneut steigen wird. Dies würde dann erfolgen, wenn diejenigen Arbeitnehmer, die sich zuletzt vom Arbeitsmarkt abgewandt haben, wieder aktiv nach einem Job suchen. Ein daraus resultierendes zusätzliches Arbeitsangebot könnte den Lohndruck niedrig halten, wodurch auch die Inflationsraten auf absehbare Zeit gering ausfallen dürften. Die US-Notenbank könnte in diesem Umfeld an ihrer akkommodierenden Geldpolitik noch lange Zeit festhalten. Umgekehrt gilt: Der Spielraum für eine extrem expansive Geldpolitik wird geringer, wenn die Partizipationsrate nicht wieder steigt und damit weniger Arbeitskräfte zur Verfügung stehen.

Trotz der erreichten Fortschritte halten wir die derzeitige Situation am US-Arbeitsmarkt noch lange nicht für gut genug, dass die US-Notenbank über Leitzinserhöhungen nachdenkt. Unsere Erwartungen und Analysen zum US-Arbeitsmarkt deuten auf eine erste Zinsanhebung in der zweiten Jahreshälfte 2015 hin. Dies gilt insbesondere dann, wenn, wie wir erwarten, die Partizipationsrate nicht wieder deutlich ansteigt. So dürfte nur ein geringer Teil der derzeit inaktiven Beschäftigung wieder an den Arbeitsmarkt zurückkehren. Verbessert sich der Arbeitsmarkt im zuletzt gesehenen Tempo, dürfte das Arbeitskräfteangebot im Laufe des Jahres 2015 langsam knapper werden. Der Lohndruck könnte dann stärker werden, wodurch auch die Inflationsgefahren zunehmen würden, so dass wir die zuletzt aufgekommenen Hoffnungen, die Fed werde erst im Jahr 2016 die Leitzinsen anheben, für übertrieben halten.

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