Währungskrieg Reloaded

Noch vor knapp einem Jahr war der heranziehende Währungskrieg in aller Munde. Vor allem Schwellenländer sahen besorgt auf ihre durch die lockere US-Geldpolitik beflügelten Währungen. Viele dieser Kritiker wünschten sich dann im Mai insgeheim zurück in die „gute alte Zeit“, als die Tapering-Turbulenzen viele kleine Währungen zum Abschuss freigegeben hatten. Inzwischen ist Ruhe um den Fed-Exit eingetreten, der wahllose Ausverkauf vieler Währungen ist zum Stillstand gekommen und prompt finden währungspolitische Aspekte wieder Gehör: Tschechiens Notenbank greift Anfang November zum Äußersten und führt eine Wechselkursgrenze nach Schweizer Vorbild ein. Die SNB bekräftigt die Notwendigkeit der Franken-Grenze und macht trotz Krisenberuhigung keine Anstalten, ihr Wechselkursziel in absehbarer Zeit aufgeben zu wollen. Die australische Notenbank beklagt sich in ihrem jüngsten Sitzungsprotokoll erneut über die unangemessene Stärke des Austral-Dollars und droht mit währungsbedingten Zinssenkungen. Norwegens Regierungschefin Solberg nimmt immer wieder Bezug auf die (vermeintlich) zu starke Krone und hat dabei auch die Notenbank auf ihrer Seite. Sogar der EZB wird immer wieder unterstellt, den Euro-Wechselkurs mit kritischem Auge zu beobachten und die unangemessene Euro-Stärke als wichtigen Faktor in die ZInssenkungsentscheidung einbezogen zu haben.

Eine weltweit erhöhte Bereitschaft zu währungspolitischer Einflussnahme ist unverkennbar, auch ohne dass die besagten Währungen tatsächlich von massivem Aufwertungsdruck betroffen gewesen wären. Anders als vor einem Jahr, als die Angst vor Wachstumseinbußen treibender Faktor war, steht bei der gegenwärtigen Neuauflage (Währungskrieg 2.0) die Preisentwicklung im Vordergrund. Im globalen Kampf gegen den unwillkommenen Disinflationstrend  könnte angesichts des Niedrigzinsumfelds für viele Notenbanken nur noch eine geldpolitische Option bleiben: eine gezielte Währungsabschwächung – auch bekannt als Spiel mit dem Feuer, das nur Verlierer kennt.

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