Leistungsbilanzen: Ist Deutschland zu stark für den Euro-Raum?

Der Internationale Währungsfonds und die US-Regierung haben kürzlich vor zu hohen Leistungsbilanzüberschüssen Deutschlands und den damit verbundenen strukturellen Ungleichgewichten gewarnt. Die EU-Kommission hat diesbezüglich ein „Prüfverfahren“ eingeleitet. Worauf beruhen diese Ungleichgewichte? Hierzulande haben in den letzten zehn Jahren vor allem Lohnzurückhaltung und Arbeitsmarktreformen zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft beigetragen. In vielen anderen Euro-Ländern hat sich die Wettbewerbsfähigkeit dagegen durch einen jahrelangen Bau- und Konsumboom verschlechtert.

Es ist keine Lösung des Problems, die konjunkturelle Lokomotive Deutschland nun zu schwächen, da Deutschland auch in den Euroraum merkliche Wachstumsimpulse sendet. Vielmehr müssen die Länder, die im Reformprozess zurückgeblieben sind, nun dringend mit den notwendigen Umbaumaßnahmen beginnen, um den Anschluss an die wichtigen Handelspartner – innerhalb und außerhalb des Euroraumes – nicht zu verlieren.

In Deutschland scheinen unterdessen die Zeichen auf einen stärkeren privaten Konsum hinzudeuten. Ob auch die Investitionen nachhaltig zunehmen, hängt hauptsächlich vom zukünftigen wirtschaftspolitischen Umfeld ab. Es gilt darauf zu achten, dass man dies unter dem Eindruck der aktuellen wirtschaftlichen Stärke Deutschlands nicht aus dem Auge verliert. Bei falschen Weichenstellungen könnte Deutschland in einigen Jahren – wie bereits zu Beginn des Jahrtausends – mit einem schwachen privaten Konsum, schwachen Investitionen und einen Leistungsbilanzdefizit konfrontiert sein, was den anderen Euro-Ländern ebenfalls schaden würde.

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