Russischer Rubel: Ansteckungseffekte der Turbulenzen in der Ukraine?

Besonderes Augenmerk bei der Rubel-Analyse verdient in den nächsten Wochen die Entwicklung in der Ukraine. Aufgrund der politischen Unruhen und des kollabierenden Finanzsystem drohen dem Russischen Rubel Ansteckungsgefahren vor allem über den Kanal des ukrainischen Bankensektors. Während die meisten ausländischen Investoren ihr Engagement in der Ukraine in den letzten fünf Jahren massiv zurückgefahren haben, sind russische Banken mit einem Marktanteil von 12% weiter stark vertreten. Zum Vergleich: im Jahr 2008 hatten ausländische Institute noch einen Anteil von 40%, jetzt gerade mal 20%. Die Ratingagentur Moodys schätzt das Exposure von vier großen russischen Banken in der Ukraine auf 20-30 Mrd. US-Dollar und den Anteil notleidender ukrainischer Kredite auf 35%. Während die rein politische Komponente der Unruhen in der Ukraine den Russischen Rubel (traditionell) eher kalt lassen dürfte, sollte die Ansteckungsgefahr über den Bankensektor im Auge behalten werden. Sollten die ungünstigen Entwicklungen in der Ukraine anhalten, würde zudem die Intensivierung der ohnehin schon hohen Handelsverflechtungen der Ukraine mit Russland konterkariert, die vielfach von der umstrittenen Kehrtwende in der EU-Zusammenarbeit erhofft wurde. Auch wenn wir die Ansteckungssorgen für den Russischen Rubel für realistisch halten, geht es dabei primär um Effekte auf das Investorenklima, nicht etwa um eine ausgemachte Bankenkrise in Russland. Mittelfristig dürfte die globale Konjunkturbelebung Russland als Rohstoffexporteur tendenziell wieder Unterstützung bieten. Zudem sollten sich die noch immer latenten Sorgen um abermalige Turbulenzen im Zuge des Fed-Exits legen, damit die Risikoprämie aus dem Rubel nehmen und diesem moderates Aufwärtspotenzial eröffnen.

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