Banken-Gesundheits-Checks als Wachstumsbremse in Südeuropa?

Vor dem Start der europäischen Bankenaufsicht durch die EZB im kommenden Jahr werden die betroffenen Banken auf Herz und Nieren geprüft. Für die krisengebeutelten Staaten Südeuropas könnten die Gesundheits-Checks eine Weichenstellung bedeuten: Sollte den Banken eine passable Verfassung attestiert werden, dürfte das die Finanzmarktstabilität erhöhen und die Finanzierung des Aufschwungs erleichtern. Sollten die Prüfungen jedoch erhöhte Risiken oder geringes Eigenkapital ergeben, könnte das bestehende Kreditengpässe verstärken und die Konjunkturerholung gefährden.

Für diverse Banken starten die Gesundheitstests zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Neben einer angespannten Eigenkapitalsituation bereitet das wachsende Volumen „fauler Kredite“ in Spanien, Italien und Portugal Sorgen. Viele Institute befinden sich in einem Konsolidierungsprozess, zu dem der Abbau von Risikoaktiva und eine vorsichtige Kreditvergabe zählen. Während in Deutschland steigende Kreditbestände und eine positive Nettokreditvergabe zu beobachten sind, sinkt das Volumen im Süden. Außerdem haben sich die Zinsen weit auseinander entwickelt. Banken im Süden benötigen hohe „Risikozuschläge“ in ihren Kreditzinsen, um Kreditausfälle zu verarbeiten.

Die angelaufenen Gesundheits-Checks könnten sich als Stolperstein im Konsolidierungsprozess des Sektors erweisen. Notwendige Korrekturen müssten rechtzeitig vor Start der EZB-Aufsicht erfolgen. Das verkürzt die Konsolidierungszeit drastisch. Es besteht die Gefahr, dass ein „komprimierter“ Konsolidierungsprozess bestehende Kreditengpässe in Südeuropa verlängert. Eine anhaltende „Kreditklemme“ würde Investitionen und den dringend notwendigen Ausschwung in diesen Ländern behindern. Die konjunkturelle „Bremswirkung“ negativer Test-Ergebnisse wäre im Süden deutlich größer als in Deutschland.

In Spanien und Italien wurden bereits bilanztechnische Maßnahmen zur Verbesserung der Eigenkapitalsituation der Banken eingeleitet. Ob diese Maßnahmen ausreichen, um die Checks zu bestehen, bleibt abzuwarten. Unabhängig davon verdeutlicht die Problematik rund um die Tests den Zielkonflikt, vor dem die EZB steht: Während sie im Rahmen ihrer geldpolitischen Aufgaben Deflationstendenzen bekämpfen muss, steht im Hinblick auf die künftige Aufsichtsfunktion die Finanzmarktstabilität im Vordergrund. Maßnahmen wie der aktuelle Prüfungsprozess können dazu führen, dass Geschäftsbanken ihr Kreditangebot einschränken. Das kann die Übertragung geldpolitischer Maßnahmen auf die Wirtschaft stören und das Wirtschaftswachstum bremsen, was dem Ziel der Deflationsvermeidung entgegensteht.

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