Aktienmärkte – Gute Stimmung, aber keine „Milchmädchenhausse“

Der S&P 500 ist in diesem Jahr um 25% gestiegen, der Dow Jones um fast  21%. In Europa gewann der DAX 19% und der Euro Stoxx 50 notiert 12% im Plus. Viele Marktbeobachter sehen schon eine sich aufblähende Preisblase am Aktienmarkt. Speziell in den USA wird die Blase derzeit durch verschiedene Marktkommentatoren förmlich herbei geredet. An Statistiken, die einen nahenden Crash vorhersagen, herrscht kein Mangel. Wie schätzen wir die aktuelle Lage an den Aktienmärkten ein?

Die Bewertung am Aktienmarkt, zum Beispiel gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis, fällt heute in der Tat höher aus als vor zwei oder drei Jahren. Aktien sind jedoch insgesamt nicht übermäßig überteuert, in manchen Ländern sogar noch fair bis günstig bewertet.

Zudem mangelt es weiterhin an Anlagealternativen zu Aktien, insbesondere weil keine adäquate Verzinsung an den Anleihenmärkten zu erzielen ist. Viele Investoren kaufen genau wegen dieser Alternativlosigkeit heute Aktien. Aus Total Return-Perspektive ist zwar das Argument, dass der Aktienmarkt weiter steigen wird, weil der Bondmarkt überteuert ist, wenig überzeugend. Wenn Qualitätsaktien, wie zum Beispiel Roche, ein KGV von 25 angesichts rekordniedriger Anleihenrenditen zugebilligt würde, wäre das ein vordergründiges Argument derjenigen Anleger, die diese Aktien als die „neuen“ Bonds betrachten und nur Alternativen miteinander abwägen. Entscheidend ist, was man als Langfristinvestor zu zahlen bereit ist, wenn man ein Unternehmen übernehmen könnte. Und bei der Beantwortung dieser Frage ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis, welches letztlich die Meinung des Marktes, nicht mehr als eine Zweitmeinung, widerspiegelt, irrelevant.

Gegen die Ausbildung einer Blase am Aktienmarkt sprechen aus unserer Sicht jedoch allgemein folgende Gründe:

– Die Euphorie ist nicht vergleichbar mit früheren Aktienmarktblasen. Von einer „Milchmädchenhausse“, wie zuletzt in den Jahren 1998-2000, kann derzeit keine Rede sein.

– Die M&A-Aktivitäten, die üblicherweise am Ende einer Börsenhausse ihren Höhepunkt finden, verlaufen heute noch relativ schleppend, während sie in den Peak-Jahren 2000 und 2007 deutlich ausgeprägter waren. Bei den letzten Übernahmen war sogar zu beobachten, dass die Übernahmeprämien rückläufig waren.

– In den vergangenen 30 Jahren gab es bei den Zinsen nur eine Richtung: abwärts. Dieser Trend sollte sich nun langsam umkehren. Jedoch bleiben die Zinsen auf absehbare Zeit niedrig. Trotz des anstehenden „Taperings“ wird die Normalisierung des Zinsniveaus mehrere Jahre dauern. Dies hilft den Unternehmen fundamental (billigeres Fremdkapital) und der Anlageklasse Aktien als Ganzes.

Reale Werte dürften daher auch im Anlagejahr 2014 Trumpf sein. Titel führender Unternehmen sind fair bewertet und liefern noch eine attraktive Dividendenrendite. Gleichzeitig sind die Kurse in den Emerging Marktes etwas zurückgekommen und auch der japanische Markt wird wieder zunehmend attraktiv. Die langen Jahre der Zinsnormalisierung, auch wenn diese nun graduell stattfindet, werden insgesamt wenig Rendite abwerfen, sodass reale Werte weiterhin von einer steigenden Nachfrage profitieren sollten.

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