Optimismus und Korrekturrisiken

So viel Optimismus war selten. Die große Mehrheit der aktuellen Konjunkturprognosen ist eindeutig und sehr positiv. Alle wichtigen Industrieländer sollen demnach in den kommenden 12 Monaten kräftig wachsen. Die Industrieländer scheinen also gestärkt aus der jüngsten Krise hervorzugehen, während viele Emerging Markets  ihre hohe Wirtschaftsdynamik der Vorkrisenzeit nicht halten können. Unser Bild für die konjunkturelle Entwicklung der wichtigen Länder ist nicht schlechter, sondern in manchen Fällen sogar optimistischer als der Consensus, so liegen wir etwa bei Deutschland am oberen Rand der vorliegenden Schätzungen.

Was ist der Grund für diesen kaum zu schlagenden Optimismus? In unseren Überlegungen gehen wir davon aus, dass die Beruhigung der Schuldenkrise und damit wegfallende Bremsfaktoren die konjunkturelle Entwicklung stützen werden. So werden die finanzpolitischen Konsolidierungsmaßnahmen in den meisten Ländern nicht mehr so strikt verfolgt bzw. nicht mehr ausgeweitet. Zudem sollten die Industrieländer von der weiterhin sehr expansiven Notenbankpolitik profitieren. Dies sollte sich etwa bei der Entwicklung des Bausektors positiv widerspiegeln, wie auch bei der Investitionstätigkeit der Unternehmen. In vielen Ländern ist zuletzt die Kapazitätsauslastung merklich gestiegen, was in dem sehr günstigen Umfeld zu entsprechenden Investitionsanreizen führt. Ferner rechnen wir in Deutschland mit einer weiterhin guten Entwicklung am Arbeitsmarkt, was den privaten Konsum stärken dürfte. Der deutsche Export sollte zudem von der Gesundung der europäischen Länder gestützt werden, da der Euroraum immer noch der größte Exportmarkt für deutsche Produkte ist.

Die Kehrseite der Medaille ist in der Entwicklung einiger Wachstumsmärkte sichtbar. Die extrem niedrigen Zinsen in den Industrieländern haben in Ländern wie z.B. Brasilien und Indien zu Problemen aufgrund hoher Kapitalzuflüsse und Inflationsdruck geführt. Zudem ist in Asien zunehmend die Tendenz festzustellen, das Wachstumsmodell nachhaltiger auszurichten, was zunächst aber etwas an Wirtschaftsdynamik kostet.

Für die Industrieländer ist der Wachstumsausblick für 2014 aber insgesamt sehr günstig. Die hohen Wachstumserwartungen und die große Zuversicht sind auch auf den Finanzmärkten sichtbar. Insbesondere die Aktienmärkte haben bereits viel von diesem Optimismus in die Kurse einfließen lassen. So kam es an allen wichtigen Aktienmärkten im Jahr 2013 zu einer deutlichen Bewertungsexpansion, die sich wohl hauptsächlich mit den steigenden Wachstumserwartungen erklären lässt. Die Aktieninvestoren haben also bereits kräftig auf die zukünftige Entwicklung gesetzt.

Hierin liegt aber auch eine Gefahr, dass nämlich die hohen Erwartungen nun zunächst enttäuscht werden könnten. Zuletzt haben sich einige konjunkturelle Frühindikatoren von dem erreichten hohen Niveau etwas abgekühlt, deuten aber z.B. für die US-Wirtschaft immer noch auf kräftiges Wachstum hin. Ähnliches kann man auch für die deutschen Frühindikatoren wie die ZEW-Konjunkturerwartungen und den Ifo-Index erwarten, die in den letzten Monaten kräftig gestiegen sind und mittlerweile ein sehr ambitioniertes Niveau erreicht haben.

Eine vorübergehende Korrektur wäre in dieser Phase  nach unserem Dafürhalten keineswegs überraschend. Allerdings könnte sie in der jetzigen Situation eine merkliche Reaktion an den Kapitalmärkten auslösen, da die hier bestehenden sehr hohen Wachstumserwartungen in der Folge etwas relativiert werden dürfen. Es ist also aus unserer Sicht nicht unwahrscheinlich, dass in den ersten Monaten des Jahres eine leichte Enttäuschung der hohen Wachstumserwartungen zu einer stärkeren Volatilität an den Finanzmärkten beiträgt.

Unsere positive Prognose würden wir von einer solchen Entwicklung aber nicht sofort in Frage stellen lassen. Zum einem sind solche Phasen der Konsolidierung nach einer kräftigten Erholung nicht ungewöhnlich. Zum anderen kann man auch mit einer fiskalpolitischen Unterstützung der Konjunktur rechnen, falls die Wachstumsdynamik zu stark nachlassen sollte. Denn die Notenbanken können nur noch unwesentlich zu einer Wachstumsverbesserung beitragen, die Risiken einer weiteren Ausweitung der expansiven Geldpolitik würden merklich steigen. Entsprechend ist dann wohl damit zu rechnen, dass die Staaten erneut einspringen, um notwendige Konjunkturimpulse zu geben und um die Bemühungen der Notenbanken in den letzten Jahren weiter zu unterstützen. Eine entsprechende Diskussion hat in den USA bereits begonnen.

Insgesamt kann man also aus unserer Sicht recht optimistisch für die konjunkturelle Entwicklung im Jahr 2014 sein, auch wenn es in den kommenden Monaten zu leichten Enttäuschungen auf der konjunkturellen Seite und zu einer etwas höheren Volatilität an den Finanzmärkten kommen sollte.

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