Draghi betont Handlungsfähigkeit der EZB

Eine bislang wenig dynamische gesamtwirtschaftliche Entwicklung und hohe Arbeitslosenquoten dämpfen die Inflationsrisiken in der Eurozone. Sollte sich der disinflationäre Trend allerdings weiter fortsetzen, könnte der Handlungsdruck auf die EZB in den kommenden Monaten nochmals zunehmen. Dass die Notenbank mögliche Deflationsrisiken äußerst ernst nimmt, wird daran deutlich, dass EZB-Chef Draghi im Rahmen der heutigen Pressekonferenz mehrfach betont hat, dass es das Mandat der EZB sei, Preisniveaustabilität „in beide Richtungen“ zu gewährleisten.

Die Teuerungsentwicklung stellt nicht die einzige Herausforderung für die Notenbank im laufenden Jahr dar. Ein weiteres Sorgenkind ist die anhaltend schrumpfende Kreditvergabe. In diesem Zusammenhang war vor einiger Zeit unter anderem eine vergünstigte Refinanzierung für solche Banken im Gespräch, die Zentralbankgelder zur Kreditvergabe nutzen („konditionaler“ LTRO). Innerhalb des EZB-Rates wird eine solche Maßnahme allerdings kontrovers diskutiert. Vor diesem Hintergrund hat sich EZB-Chef Draghi bei der heutigen Pressekonferenz hinsichtlich dieser Thematik weitgehend bedeckt gehalten und lediglich die grundsätzliche Handlungsfähigkeit der Notenbank hervorgehoben.

Auch wenn für die EZB der Spielraum der traditionellen Geldpolitik weitgehend ausgeschöpft scheint, verfügt sie noch immer über zahlreiche Möglichkeiten, geldpolitische Impulse zu setzen. Als geeignetste Maßnahme hierfür erachten wir aktuell eine weitere Konkretisierung der „Forward Guidance“. Bislang gibt es allerdings noch keine Hinweise darauf, dass eine solche Weiterentwicklung der „Forward Guidance“ unmittelbar bevorsteht.

Im Zuge der heutigen Zinssitzung hat Draghi die grundsätzliche Handlungsbereitschaft der Notenbank hervorgehoben, ohne hierbei allerdings im Hinblick auf weitere Maßnahmen konkret zu werden. Wir gehen derzeit davon aus, dass die Währungshüter zunächst eine Politik der ruhigen Hand verfolgen werden. Die Aussichten für die EZB-Geldpolitik bleiben dennoch spannend. So hat das vergangene Jahr gezeigt, dass die EZB durchaus nicht davor zurückschreckt, die Marktakteure zu überraschen.

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