Asset Quality Review und Banken-Stresstests werfen Schatten voraus

Der Asset Quality Review (AQR) der EZB und der folgende Stresstest werfen ihre Schatten voraus. Es scheint, als ob sich die rund 130 Banken, die ab dem 1. November 2014 unter der Aufsicht der EZB stehen, schon kräftig auf die kommenden Stresstests der EZB und der EBA vorbereiten. So wurden in den letzten Monaten die Bilanzen verkürzt, und es wurde versucht, risikoreiche Positionen in den Kreditportfolios zu bereinigen. Dabei liegen in den einzelnen Ländern die Probleme zwar jeweils an anderen Stellen der Bilanz. Aber der im Euroraum einheitliche Trend ist kaum übersehbar. Eine Folge hiervon ist der merkliche Rückgang der Kreditvergabe in den südeuropäischen Ländern, da hier die Anzahl der problembehafteten Kredite monatlich steigt.

Die Investoren honorieren dies und investieren wieder verstärkt in europäische Banktitel. Entsprechend laufen die Spreads deutlich zusammen – sowohl für Senior- als auch für Nachranganleihen. Somit haben die angekündigten Stresstests eigentlich schon einen Teil ihrer Aufgabe, das Vertrauen in die europäischen Banken zu stärken, erfüllt. Möglicherweise könnte aber während der Durchführung des AQR wieder Unsicherheit in den Bankenmarkt kommen. In den nächsten Wochen werden die ersten Wirtschaftsprüfer in die Banken kommen um die frischen Abschlüsse für das Jahr 2013 noch einmal zu überprüfen. Bei der Vielzahl der zu überprüfenden Banken können dies bis zu 4.000 Wirtschaftsprüfer sein, die nun in die Banken gehen und sie auf Herz und Nieren prüfen. Angesichts der vielen beteiligten Personen und Organisationen kann es dabei schnell zu Kommunikationspannen kommen. So können leicht ungewollte Informationen zu einzelnen Banken bekannt werden. Dabei ist auch klar, dass die Banken ein Interesse daran haben, dass günstige Nachrichten schneller bekannt werden, während man natürlich kein Interesse hat, dass negative Nachrichten an die Öffentlichkeit gelangen. Man kann also eine Art von positiver Selektion erwarten.

Bleiben bei als kritisch eingeschätzten Banken solche positiven Nachrichten aus, dürfte die Unsicherheit wieder zunehmen und die Spreads, wenn nicht für den gesamten Sektor, dann zumindest für die betreffenden Banken wieder ansteigen. Es kann also leicht dazu kommen, dass sich Investoren insgesamt wieder vom europäischen Bankensektor zurückziehen, wenn es zu den ersten Datenlecks gekommen ist.

Daher sollte man aus meiner Sicht auf die Kommunikationswege genauso achten wie auf die Durchführung der Stresstests selbst.

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