Schweiz erhöht antizyklischen Kapitalpuffer

Der überschäumende Immobilienmarkt ist der Schweizer Notenbank bereits seit fast vier Jahren ein Dorn im Auge. Eine Hypothekarverschuldung in Höhe 140% des BIP macht ausgerechnet die stabile Schweiz auf diesem Gebiet zu einem der weltweit am stärksten verschuldeten Länder. Die SNB hat sowohl in ihren regelmäßigen geldpolitischen Lagebeurteilungen als auch in ihren Finanz-Stabilitätsberichten mit immer schärferem Tonfall vor den Risiken der unverhältnismäßigen Preissteigerungen gewarnt. Dabei geht es gar nicht nur um den unmittelbaren Kampf gegen höhere Häuserpreise, sondern vor allem auch um die Stabilität des Bankensektors, die potentiell durch ein unverhältnismäßiges Kreditwachstum gefährdet ist.

Der Bundesrat hat auf Antrag der Schweizerischen Nationalbank einen erneuten Schritt im Kampf gegen die Immobilienblase getan. Der antizyklische Kapitalpuffer (AZP) wird mit Wirkung zum 30. Juni 2014 von derzeit 1% auf 2% der risikogewichteten Positionen erhöht. Mit der Regelung werden Geschäftsbanken seit Februar 2013 verpflichtet, zusätzliches Eigenkapital für Hypotheken bereitzuhalten, allerdings ohne dass der gewünschte Bremseffekt zu beobachten wäre.

Die „klassische“ Gegenwehr in Form einer Leitzinserhöhung kommt in der Schweiz aus mindestens drei Gründen nicht in Frage: erstens da auf der Konsumentenpreisseite noch immer deflationäre Tendenzen bestehen; zweitens da eine mit Zinserhöhungsphantasien verbundene Franken-Aufwertung unerwünscht wäre und drittens da nur die Immobilienkreditvergabe gebremst werden soll, während andere Kredite beispielsweise an Unternehmen weiter günstig bleiben sollen.

Die unmittelbare Reaktion des Franken auf diese de facto Verschärfung der Kreditbedingungen ist ein klares Kursplus. Dass die Anhebung des antizyklischen Puffers aber devisenseitig wie eine „echte“ Leitzinsanhebung gewertet wird, also mit einer Aufwertung bedacht wird, scheint zu kurz gedacht. Aus unserer Sicht senkt diese Maßnahme vielmehr die Gefahr anderer geldpolitischer Straffungen wie einer Leitzinserhöhung, da die SNB einen anderen Kanal für ihren Kampf gegen die Immobilienblase gefunden hat.

 

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