Weltwirtschaft vor einer neuen Krise?

Stürzen die Wachstumsmärkte die Weltwirtschaft in eine neue Krise? Wohl nicht, aber die Emerging Markets stecken in einer Krise, die sich in den letzten Wochen immer stärker bemerkbar gemacht hat. Die Gründe für die schwachen Wachstumsraten in vielen Schwellenländern sind sehr unterschiedlich. Zum einem haben in den letzten Jahren viele Länder unter der sehr expansiven Notenbankpolitik der Industrieländer gelitten. Diese war notwendig, damit sich die Industrieländer von den Folgen der Hausmarkt- und Schuldenkrise erholen können. Jedoch hat diese Politik zu hohen Kapitalzuflüssen und einer starken Aufwertung der jeweiligen Währung in Teilen von Südamerika und Asien geführt. Andererseits konnten diese Länder aber auch ihrerseits die Notenbankzinsen nicht senken, da die Inflation zu hoch war bzw. deutlich gestiegen ist. China ist momentan dabei, sein Wachstumsmodell umzubauen. Man möchte weniger exportabhängig sein und dafür die inländische Nachfrage stärken. Dieser Umbau kostet zunächst aber etwas an Wirtschaftsdynamik . In anderen asiatischen Ländern wird zunehmend die Frage der Verteilungsgerechtigkeit diskutiert, was die Wachstumsdynamik ebenfalls bremst. Zudem leiden auch viele asiatische Länder unter zu geringen Investitionen in die Infrastruktur in den letzten Jahren.

Der Wachstumsmotor der Weltwirtschaft dreht sich also etwas langsamer, aber er stottert nicht wirklich. Trotzdem reagierten die Finanzmärkte zunehmend negativ auf die Meldungen aus den Ländern der Wachstumsmärkte. Diese ungünstige Entwicklung an den Finanzmärkten dürfte aber auch maßgeblich von den sehr hohen Wachstumserwartungen herrühren, die von den Investoren in die Märkte eingepreist wurden. Denn die hohen Wachstumserwartungen werden nun zunächst etwas enttäuscht und die Verunsicherung über den weiteren Verlauf der Weltwirtschaft hat zuletzt zugenommen. Entsprechend werden nun auch Gewinne realisiert. Insgesamt führt dies zu einer deutlichen Zunahme der Volatilität an den Finanzmärkten.

Es gibt bislang aber keine Hinweise, dass die Entwicklungen in den Emerging Markets zu einer neuen Krise der Weltwirtschaft führen. In den letzten Quartalen haben die Industrieländer die wichtigen Impulse für die weltwirtschaftliche Entwicklung gegeben. Die Stabilisierung des Wirtschaftswachstums in den Industrieländern ging dabei hauptsächlich von einer Beschleunigung der binnenwirtschaftlichen Entwicklung aus. Daher dürfte die aktuelle Wachstumsverlangsamung in den Emerging Markets keinen großen Einfluss auf die Industrieländer haben und die zuletzt erfreuliche Entwicklung sollte sich fortsetzen. Dies heißt jedoch nicht, dass die Korrektur an den Finanzmärkten bereits abgeschlossen ist. Sie wird wohl noch etwas andauern.

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