Britische Wirtschaft 2013 mit kräftigstem Wachstum seit sechs Jahren

Die britische Wirtschaft hat ihr lebhaftes Wachstumstempo auch zum Jahresschluss halten können: Wie das Office for National Statistics (ONS) heute Vormittag bekannt gab, ist das Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal 2013 nach einer ersten Schätzung um knapp 0,7 Prozent gegenüber dem Vorquartal gewachsen – das ist nur geringfügig langsamer als während des Sommerhalbjahrs, als vierteljährliche Zuwachsraten von jeweils 0,8 Prozent erreicht wurden. Der Wert entsprach den Markterwartungen, lag aber etwas über unseren eigenen Schätzungen.

Nachfrageseitige Details gibt das ONS mit dieser Erstschätzung noch nicht bekannt. Die vorliegenden Daten zur Wertschöpfung in den einzelnen Sektoren zeigen aber, dass die Bautätigkeit im zurückliegenden Vierteljahr nach zwei sehr starken Quartalen leicht geschrumpft ist. Auch bei den konsumnahen Dienstleistungen hat die Wachstumsdynamik nachgelassen. Weiterhin sehr kräftig ist dagegen der Output des Finanzsektors und der Dienstleistungen im Immobilienbereich gewachsen. Auch vom öffentlichen Sektor kam zuletzt ein etwas höherer Wachstumsbeitrag.

Der anhaltende Schwung zum Jahresschluss beschert der britischen Wirtschaft im Gesamtjahr 2013 ein Wachstum von 1,9 Prozent – der höchste Zuwachs seit sechs Jahren. Im vierten Quartal lag das jährliche Wachstum sogar bei 2,8 Prozent. Hierzu beigetragen haben aber auch rückwirkende Revisionen, die das ONS zum Jahreswechsel durchgeführt hat: Dadurch fällt der Abschwung im Jahr 2012 milder und die Konjunkturerholung des vergangenen Jahres nun kräftiger aus als bislang gemeldet.

Für das laufende Jahr ist nun ein durchschnittliches Wachstum von 2 ½ Prozent in greifbare Nähe gerückt. Nach wie vor sind wir aber der Ansicht, dass der kräftige konjunkturelle Schwung in den kommenden Quartalen wieder etwas nachlassen wird. Hat der Außenhandel das Wachstum in der ersten Jahreshälfte 2013 noch entscheidend gestützt, wird er nun zunehmend zu einer Belastung für den wirtschaftlichen Aufschwung. Seit knapp einem Jahr wertet das Pfund Sterling kontinuierlich auf – beflügelt von der überraschend guten Konjunkturentwicklung und gestützt von steigenden Kapitalmarktzinsen. Handelsgewichtet liegt der Wert der britischen Währung mittlerweile rund 6 Prozent über seinem Vorjahresniveau und dies macht sich inzwischen auch bei der Exportkonjunktur bemerkbar, die seit dem Frühsommer merklich schwächelt, während die Importnachfrage weiter anzieht.

Das Pfund wird unserer Ansicht nach in den kommenden Monaten weiter aufwerten und das Exportwachstum deutlich hinter das der Importe zurückfallen. Positiv ist die Währungsstärke aber für die Inflationsentwicklung: Sie wird wohl weitaus moderater ausfallen als bislang gedacht und mit 2,2 Prozent in diesem Jahr weit unter der 3-Prozent-Grenze der Bank of England bleiben. Dies gibt der Notenbank Raum, noch eine Weile an ihrer ultra-lockeren Geldpolitik festzuhalten – trotz des überraschend schnellen Rückgangs der Arbeitslosigkeit in den vergangenen Monaten. Wir rechnen daher mit keiner Leitzinserhöhung vor 2015.

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