Vom Greenback zum Redback

Zweifel an der Rolle des US-Dollars als Weltleitwährung gehörten in den letzten Jahren, um nicht zu sagen Jahrzehnten, an den Finanzmärkten zum guten Ton. Mit dem Aufstieg Chinas zur ökonomischen Weltmacht sieht sich der US-Dollar einem weiteren potentiellen Herausforderer gegenüber, die Internationalisierung des Renminbi schreitet im Eiltempo voran. Beim Übergang von einer durch Kapitalverkehrskontrollen von der Außenwelt isolierten Währung hin zu einer global akzeptierten Leitwährung hat der Renminbi bereits wichtige Hürden übersprungen. Doch trotz dieser Fortschritte ist sein Anteil im Zahlungsverkehr (1,1%) oder am Devisenmarkt (2,2%) verglichen mit Chinas Anteil am Welthandel (11,6%) noch immer unterentwickelt.

Im Zuge der Reformagenda 2020 hat China seine Bestrebungen zur Finanzmarktliberalisierung erneut bestätigt. Der Abbau der noch bestehenden diversen Investitionshürden dürfte in Rekordtempo weitergehen, vor allem die Öffnung der Kapitalbilanz ist ein großes Thema für 2014 und 2015. Die völlige Konvertibilität des Renminbi auf Sicht von drei Jahren ist keine Utopie mehr. Die Chancen des Renminbi, sich künftig als eine der führenden Abrechnungs- und als eine wichtige Investitionswährung zu etablieren, sind ausgezeichnet. Die Krönung als Reservewährung wird ihm aber wohl noch länger verwehrt bleiben – deutlich länger jedenfalls, als es den eingefleischten Kritikern des US-Dollars genehm ist, die den „Greenback“ lieber heute als morgen durch den „Redback“ ersetzen würden, der seinen Spitznamen in Abgrenzung zum grünen US-Dollar von den roten chinesischen Banknoten hat.

Vor allem China selber kann sich seiner Antipathie gegenüber dem US-Dollar nicht dadurch entledigen, dass es den Renminbi als Weltreservewährung fördert. Seine eigenen Währungsreserven kann nämlich kein Land, auch nicht China, in eigener Währung anlegen. Chinas Suche nach der ultimativen Alternative zum Greenback geht also auf jeden Fall weiter – egal wie erfolgreich die Internationalisierung des Renminbi in den kommenden Jahren auch sein mag.

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